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Es sind diese kalten, grauen Tage, die Anne-Maria Neumann (36) die Stimmung verdunkeln. Dann quält sich die Sekretärin aus dem Bett, ist auf der Arbeit lustlos und unkonzentriert und verliert sich nach Feierabend im Müßiggang. „Im Sommer bin ich froh und ausgelassen“, so sagt sie, „doch wenn die Tage kürzer werden, verliere ich an so manchen verregnetem Tag die Lebenslust“.
Frau Neumann leidet unter dem so genannten Winterblues – Experten sprechen von einer saisonal abhängigen Depression (SAD). Und sie ist damit nicht alleine, knapp eine Million Deutsche sind offiziell betroffen, wobei die Dunkelziffer wohl deutlich höher liegt.
Menschen mit einer Winterdepression leiden unter Antriebslosigkeit, Konzentrationsmangel und einem erhöhten Schlafbedürfnis. Selbst alltägliche Dinge wie das Zähneputzen fallen dann schwer, die Arbeit wird zur nicht enden wollenden Tortur.
Schuld am Blues ist vor allen Dingen ein Mangel an natürlichem Tageslicht. Der Naturwissenschaftler Dr. Ingo Ehm erklärt dies so: „Unter dem Einfluss von Licht schüttet der Körper vermehrt den stimmungsaufhellenden Botenstoff Serotonin aus. Dagegen wird in der dunklen Jahreszeit vermehrt der Botenstoff Melatonin produziert, der eher schlapp und müde macht“. Für diese Erklärung spricht, dass Menschen in skandinavischen Ländern, wo es im Winter auch tagsüber kaum hell wird, noch viel häufiger unter einer saisonal abhängigen Depression leiden als hierzulande.
Gegen die trübe Stimmung kann schon ein ausgedehnter Spaziergang in der Mittagspause helfen, bei dem der Körper auf natürliche Weise Tageslicht tankt. Frau Neumann hat sich auf Empfehlung ihres Arztes eine Tageslichtleuchte zur Lichttherapie zugelegt. Bereits kurz nach dem Aufstehen setzt sie sich nun regelmäßig 40 Minuten davor. „Die Müdigkeit ist dann weg und ich habe wieder genug Kraft und Lebensenergie für die Arbeit“, berichtet sie.
Solche Therapielampen sind dem natürlichen Tageslicht nachempfunden und haben mindestens 2.000 Lux. Zum Vergleich bietet die Innenbeleuchtung etwa 300-800 Lux, ein Sommertag rund 10.000 Lux. Für den Erfolg der Lichttherapie ist die regelmäßige Anwendung entscheidend. So sollte man sich zu Beginn der Therapie 14 Tage lang vor die Lampe setzen, auch an den Tagen ohne Stimmungstief. Die Dauer der Anwendung ist von der Lichtstärke abhängig und variiert zwischen 2 Stunden (bei 2.500 Lux) und 40 Minuten (bei 10.000 Lux). Die morgendliche Anwendung ist sinnvoll, da der Körper besonders in der zweiten Nachthälfte das depressiogene Melatonin produziert. Eine Lichtdusche kurz nach dem Aufstehen stoppt die Produktion und die Stimmung hellt sich auf.
Für Menschen, die unter einer Winterdepression leiden, ist es wichtig, sich ihrem Schicksal nicht hinzugeben, sondern dagegen aktiv zu werden. Neben Licht, Sport und einer gesunden Ernährung hilft vor allem eins: Vermeiden Sie den einsamen Müßiggang und suchen Sie Gemeinschaft und menschliche Nähe.
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