Gesund durch Fasten

Fasten, also der zeitlich begrenzte, freiwillige Verzicht auf feste Nahrung und Genussmittel, genießt den Ruf, sich positiv auf Körper, Geist und Seele auszuwirken. Aber wie geht man das Projekt „Fasten“ am besten an? Und was gilt es vor, während und nach der Fastenkur zu beachten? Im Folgenden werden Fragen rund um das Thema „gesundes Fasten“ beantwortet.

Warum Fasten?

glueckliches-senioren-paar-spaziert-durch-den-wald

Sind traditionelle Phasen des Fastens häufig religiös oder spirituell motiviert, entscheiden sich heutzutage viele Menschen aus gesamtgesundheitlichen Aspekten für eine Fastenkur. Dabei Fasten sowohl Gesunde, um ihren Körper zu „entschlacken“ als auch Erkrankte, die das Fasten als mögliche Therapieform nutzen.

Fasten – nicht zu verwechseln mit einer Diät

Das allgemeine Hauptziel, das hinter dem Verzicht auf feste Nahrungsmittel und Genussmittel wie Alkohol, Tabak oder Kaffee steht, ist die Reinigung des Körpers von überflüssigen und schädlichen Stoffen und die Befreiung der Seele von unnötigem Ballast. Und nicht selten dient das Fasten als Auftakt zu einer gesünderen und bewussteren Lebensweise.

Nicht zu verwechseln ist das Fasten mit einer Schlankheitskur, also einer Diät. Wer mit dem Ziel der Gewichtsreduktion eine Fastenkur beginnt, wird – wenn er nicht entsprechende Maßnahmen ergreift – nach Beendigung der Fastenzeit verlorenes Gewicht im Handumdrehen auch wieder zunehmen. Eher sollte eine Gewichtsabnahme als positiver Nebeneffekt der Fastenkur gesehen werden.

Fasten für Gesunde

Bei einem Lebenswandel, der – wie in der heutigen Konsum- und Leistungsgesellschaft zumeist üblich – geprägt ist durch einen stressigen und hektischen Alltag, eine ungesunde Ernährung, mangelnde Bewegung an der frischen Luft und den Konsum von gesundheitsschädigenden Genussmitteln wie Alkohol und Nikotin, kann das Fasten einen positiven Einfluss auf die Gesundheit nehmen. Das Fasten bietet die Möglichkeit, seinen Körper zu „entschlacken“ und von Giftstoffen zu befreien. Es kann helfen, sich auf das Wesentliche im Leben zu besinnen. Und es kann als Anregung dienen, seine Lebensgewohnheiten zu ändern und seine Ernährung umzustellen.

Therapeutisches Fasten

Das Heilfasten ist bei einer Vielzahl chronischer aber auch akuter Erkrankungen eine wirkungsvolle Therapiemaßnahme. So kann eine Fastenkur unter fachkundiger Anleitung bei bestimmten Stoffwechselerkrankungen (z. B. Diabetes mellitus Typ 2), Herz-Kreislauf-Erkrankungen (z. B. Bluthochdruck), Atemwegserkrankungen (z. B. Nasennebenhöhlen-Entzündungen), Hauterkrankungen (z. B. Neurodermitis), Erkrankungen des Bewegungssystems (z. B. Rheuma) und des Verdauungssystems (z. B. Reizmagen) Erfolge erzielen.

Und auch bei Infektanfälligkeit und Allergien gegen z. B. Nahrungsmittel oder Blüten- und Gräserpollen hat sich das natürliche Heilverfahren bewährt. Denn durch eine Fastentherapie können Abwehrkräfte gestärkt und kann ein durcheinandergeratenes Immunsystem stabilisiert werden. Eine Zeit, ohne Nahrung aufzunehmen und verdauen zu müssen, kann für den Darm und somit für das Immunsystem, das sich zu einem Großteil im Darm befindet, entlastend sein und sich regenerierend auswirken.

Was es vor dem Fasten zu beachten gilt

mit-kernen-und-salat-dekorierte-suppe-auf-holztisch

Hat man die Entscheidung getroffen, dass man Fasten möchte, gilt es vorab einige Dinge zu klären bzw. einige Vorkehrungen zu treffen. Schließlich steht beim Fasten die Gesundheit im Vordergrund, und da sollte man nichts dem Zufall überlassen.

 

Welche Fastenmethode ist die richtige?

Bevor man das Projekt „Fasten“ startet, sollte man sich mit den verschiedenen Fastenformen vertraut machen. Nur so kann man herausfinden, welche der vielzähligen Fastenmethoden für einen selbst die richtige ist und eine entsprechende Wahl treffen.

Zu den wohl bekanntesten und am häufigsten angewendeten Fastenkuren gehört das „Heilfasten nach Buchinger“. Der Arzt Otto Buchinger (1878-1966) hat sich seinerzeit aufgrund rheumatischer Beschwerden erfolgreich einer Fastenkur unterzogen, und nach intensiver Auseinandersetzung mit dem Thema schließlich die nach ihm benannte Heilfastenkur entwickelt.

Neben der Buchinger-Fastenkur existieren noch viele verschiedene andere Fastenarten wie z. B. die Franz-Xaver-Mayr-Kur, die Hildegard-von-Bingen-Kur, die Breuß-Kur, die Schrothkur, das Saft-, Früchte- oder Molke-Fasten.

Wer darf fasten?

Ein gesunder Erwachsener zwischen 18 und 68 Jahren kann in der Regel bedenkenlos eine fünf- bis siebentägige Fastenkur machen. Trotzdem empfiehlt sich im Vorfeld ein ärztlicher Gesundheitscheck. Mit dem Arzt kann man gegebenenfalls auch die Wahl der Fastenmethode besprechen.

Zudem sollte man sich überlegen, ob man sich einer Fastengruppe anschließen möchte. Hier fastet man nicht nur unter fachlicher Anleitung, man kann auch Erfahrungen und Informationen mit Gleichgesinnten austauschen und sich gegenseitig motivieren.

Wer das Fasten ungerne in seinen Alltag integrieren möchte, dem steht z. B. die Möglichkeit zur Verfügung, sich eine Auszeit in einem Fastenhotel zu gönnen. Zusätzlich zum Betreuungsangebot durch geschultes Fachpersonal und dem Austausch mit Gleichgesinnten, können hier z. B. zahlreiche Wellnessangebote genutzt werden. Und die Distanz zum Alltagsleben kann ebenfalls eine enorme Bereicherung darstellen.

Menschen, die unter chronischen Erkrankungen leiden, Medikamente einnehmen oder in irgendeiner Form einer Risikogruppe angehören, sollten grundsätzlich und ausschließlich nur unter medizinischer Betreuung in einer Fachklinik fasten. Hier kann das therapeutische Fasten sieben bis achtundzwanzig Tage umfassen.

Wer sollte prinzipiell nicht fasten?

Nicht in jeder Lebenssituation darf gefastet werden, da gegebenenfalls mit gesundheitlichen Schäden zu rechnen ist. Schwangere und Stillende sowie Kinder in der Wachstumsphase sollten aufgrund des erhöhten Nährstoffbedarfs nicht fasten. Ebenso dürfen untergewichtige Menschen oder Menschen, die unter einer Essstörung wie Magersucht oder Bulimie leiden, nicht fasten.

Auch bestimmte Erkrankungen wie Krebs oder Tuberkulose, Schilddrüsen-, Leber- oder Nierenerkrankungen schließen eine Fastenkur aus. Unter einer schweren Herzkrankheit oder unter Diabetes mellitus Typ 1 leidende Personen dürfen ebenfalls nicht fasten. Und auch bei schweren psychischen Erkrankungen oder z. B. nach einer Operation ist eine Fastenkur kontraproduktiv.

Die Vorbereitungsphase

Der eigentlichen Fastenkur sollten ein bis zwei sogenannte Entlastungstage vorgeschoben werden. Diese Vorbereitungsphase soll die Umstellung erleichtern und Körper und Geist einen sanften Einstieg in die Zeit des Fastens ermöglichen.

Während der Entlastungstage sollte eine leichte Kost den Ernährungsplan bestimmen. Obst, Gemüse und Reis, und zwei bis drei Liter Flüssigkeit in Form von Wasser, Kräutertees oder Obstschorlen gehören auf den Speiseplan. Auf Genussmittel wie Alkohol, Kaffee und Tabak sollte im besten Falle komplett verzichtet oder der Konsum zumindest weitestgehend eingeschränkt werden.

Außerdem können die Tage vor dem eigentlichen Fasten genutzt werden, um die letzten Einkäufe für das Fastenvorhaben zu tätigen. Das hilft nicht nur, sich auf die Fastenzeit einzustimmen, sondern sorgt auch dafür, dass man sich während der Fastenzeit nicht der Lebensmittelflut im Supermarkt aussetzen muss.

Zudem eignen die Entlastungstage sich hervorragend dazu, letzte Dinge zu erledigen, die in der Fastenzeit für Stress sorgen und Geist und Seele belasten könnten.

Tipps für die Zeit des Fastens

tee-glas-mit-blumen-dekoriert-teekanne-im-hintergrund

Ganz gleich, für welche der zahlreichen Fastenmethoden man sich entscheidet: Die Einhaltung des Fastenplans ist für den Erfolg der Fastenkur von entscheidender Bedeutung. Ist man bezüglich der Fasten-Anleitung also relativ gebunden, hat man auf anderen Ebenen die Möglichkeit, die Zeit des Fastens mit Rücksicht auf eigene Vorlieben zu gestalten.

 

Der optimale Zeitpunkt

Es empfiehlt sich, einen möglichst stressfreien Zeitrahmen für die Fastenkur zu wählen. Darüber hinaus sollte man sich überlegen, welche Jahreszeit man bevorzugt. Grundsätzlich kann in jeder Jahreszeit gefastet werden, allerdings schreckt nicht selten im Winter die Kälte und im Sommer die belastende Hitze ab. Viele Fastende entscheiden sich daher entweder für den Frühling, der auch symbolisch für Veränderungen und einen neuen Lebenszyklus steht, oder für den Herbst, der eine Zeit des Rückzugs symbolisiert und das Loslassen von Dingen, die nicht länger benötigt werden.

Ruhe und Bewegung

Eine Fastenkur bietet Gelegenheit, sich Zeit für sich selbst zu nehmen. Und diese Gelegenheit sollte genutzt werden, indem man bewusst auf sich und seine Bedürfnisse achtet. Wer sich erschöpft fühlt, sollte dem Verlangen nach Ruhe, Schlaf und Regeneration nachgehen und sich die nötigen Entspannungspausen gönnen.

Aber auch die körperliche Bewegung sollte fester Bestandteil des Fastenprogramms sein, um den Kreislauf anzuregen und die Muskeln zu trainieren. Welche Sportart auch immer man in der Nicht-Fastenzeit bevorzugt – wenn es sich nicht gerade um einen Extremsport handelt, kann und sollte man sie auch während der Fastenkur ausüben.

Eine angemessene Betreuung

Besonders gesunde Erstfastende sollten sich fachmännisch begleiten und beraten lassen. Dazu ist es nicht notwendig, sich einer betreuten Fastengruppe anzuschließen, ein Fastenhotel oder eine Fastenklinik aufzusuchen. Entsprechende Fachleiter können auch eine zu Hause durchgeführte Fastenkur betreuen.

Sollten während der Fastenkur gesundheitliche Probleme wie Herzrhythmusstörungen, ein anhaltend niedriger Blutzuckerspiegel und Kreislaufbeschwerden auftreten, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Gegebenenfalls muss die Fastenkur abgebrochen werden.

Nach dem Fasten

seniorin-schaut-laechelnd-einen-apfel-an

Die unmittelbare Zeit nach der Fastenkur verdient ebenso viel Beachtung wie die Fastenkur selbst. Ein sanfter Übergang zur normalen Ernährung hilft dem Körper, sich wieder auf feste Nahrung einzustellen.

Das Fastenbrechen und die Aufbautage

Mit dem Fastenbrechen, also dem ersten Bissen fester Nahrung nach der Fastenkur (traditionell wird ein Apfel verzehrt), beginnen die Aufbautage, die am Ende einer jeden Fastenkur stehen. Je länger die Fastenkur gedauert hat, desto mehr Aufbautage sollten eingeplant werden, um das Verdauungssystem und den Stoffwechsel langsam wieder an eine normale Ernährungssituation heranzuführen. Ebenso wie während der Entlastungstage und dem eigentlichen Fasten ist in der Phase des Aufbaus eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme durch Wasser, Kräutertees und ungesüßte Säfte wichtig. Genussmittel wie Alkohol, Tabak und Kaffee sind immer noch tabu.

Leichte Kost und bewusstes Essverhalten

Während der Aufbautage gehört leichte Kost auf den Speisplan. Es empfehlen sich ballaststoffreiche Nahrungsmittel, viel Rohkost, Getreideprodukte, fettarme Milchprodukte und leichte Gemüsesuppen. Die Mahlzeiten sollten statt in wenigen großen Portionen besser

in mehreren kleinen, über den Tag verteilten Portionen, ganz bewusst, langsam und gründlich gekaut genossen werden. Man sollte sich also Zeit für das Essen nehmen, sich darauf konzentrieren und sich nicht durch äußere Störfaktoren wie den Fernseher, das Radio oder Smartphone ablenken lassen. Und man sollte auf das Sättigungsgefühl achten und wenn es sich einstellt, aufhören zu essen.

Das Essverhalten während der Aufbautage kann also durchaus mit einem allgemein gesunden Essverhalten verglichen werden. Und so kann eine Fastenkur auch hervorragend als Ausgangspunkt dienen, um eine neue, bewusstere und gesündere Lebensweise einzuschlagen.