Symptome einer Alkoholsucht erkennen und richtig handeln

Auf einen Geburtstag, eine bestandene Prüfung oder den Jahreswechsel stößt man gerne mit einem Glas Sekt an. Zum Abendessen wird ein Wein gereicht und das Fußballspiel bei einer Flasche Bier verfolgt – der Konsum alkoholischer Getränke ist zu vielen Anlässen ein festes Ritual und gehört zu einer geselligen Runde häufig unverzichtbar und unhinterfragt dazu. Ein gelegentliches Gläschen, also hin und wieder Alkohol in geringen Mengen zu sich zu nehmen, gilt als unbedenklich. Besorgniserregend ist allerdings, wenn Alkohol regelmäßig und nicht mehr als Genuss-, sondern als täglich notwendiges Suchtmittel,beispielsweise zur Stressbewältigung oder Entspannung, konsumiert wird.

 Im folgenden Beitrag lesen Sie, was Alkoholsucht ist, welche Folgen sie hat und wie sie behandelt werden kann.

Was ist Alkoholsucht und wie ist sie erkennbar?

Die Übergänge zwischen maßvollem Alkoholgenuss, Alkoholmissbrauch und Alkoholsucht sind fließend und die Entwicklung in eine Abhängigkeit vollzieht sich meist schleichend über Jahre hinweg. Es gibt einige Zeichen, die auf eine Alkoholabhängigkeit schließen lassen.

Krankhaft abhängig von Alkohol

Alkoholsucht, auch Alkoholkrankheit oder Alkoholismus genannt, bezeichnet die körperliche und psychische Abhängigkeit von Alkohol. Die als Krankheit anerkannte Sucht nach dem in alkoholischen Getränken enthaltenen Stoff Ethanolzählt zu einer der häufigsten Abhängigkeitserkrankungen in Deutschland.

Der Zugang zu dem Suchtmittel gestaltet sich dank zuträglicher Drogen- und Suchtpolitik denkbar einfach. Die legale, gesellschaftlich überwiegend akzeptierte Droge Alkohol, in Werbespots und auf Plakaten beworben, kann im Supermarkt, im Kiosk oder in der Kneipe günstig erstanden und öffentlich konsumiert werden.

Der Konsum von Alkohol führt natürlich nicht zwangsläufig in die Sucht und verantwortungsvoll und kontrolliert hin und wieder ein alkoholisches Getränk zu genießen, gilt weitestgehend als risikoarm. Doch nichtsdestotrotz kann sich aus dem gelegentlichen Genuss von Alkoholika eine Alkoholsucht entwickeln.Ob das Glas Wein beim Abendessen zu einer nicht mehr wegzudenkenden Selbstverständlichkeit, Alkohol in Stresssituationen üblicherweise als Bewältigungsstrategie angewendet und aus dem gelegentlichen Trinken ein regel- und gewohnheitsmäßig hoher Konsum wird, hängt von mehreren Faktoren wie z.B. der genetischen Veranlagung und Persönlichkeit des Menschen ab.

Wie erkennt man eine Alkoholsucht

Nicht zu verwechseln ist der Begriff Alkoholsucht mit dem Begriff Alkoholmissbrauch. Als Missbrauch wird der Konsum von Alkohol bezeichnet, wenn mit ihm die Gefahr einhergeht,der körperlichen Gesundheit zu schaden, die Psyche zu beeinträchtigen und Probleme im sozialen Umfeld zu verursachen.Der Alkoholmissbrauch stellt eine Vorstufe zur Alkoholsucht dar und ebenso, wie der Übergang von einem maßvollen zu einem missbräuchlichen Konsum fließend ist, gehen Alkoholmissbrauch und Alkoholabhängigkeit ohne klare Abgrenzung ineinander über.

Wird der Konsum von Alkohol zur Sucht, nimmt das Suchtmittel einen immer größeren Stellenwert im Leben des Betroffenen ein. Ob eine Abhängigkeit vorliegt, lässt sich anhand einiger Merkmale feststellen. Stellen sich drei oder mehrere der folgenden Kriterien innerhalb eines Zeitraumes von einem Monat als zutreffend heraus, kann laut aktueller Ausgabe der Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD-10) eine Alkoholkrankheit diagnostiziert werden:

  • Es wird ein starker Wunsch bis zwanghaftes Verlangen verspürt, Alkoholika zu konsumieren.
  • Die Fähigkeit, sowohl Menge als auch Beginn, Dauer und Ende des Konsums zu kontrollieren, ist vermindert.
  • Wird der Konsum eingestellt oder zumindest reduziert, treten körperliche Entzugserscheinungen wie z. B. Zittern, Schweißausbrüche und Schlaflosigkeit auf.
  • Es bildet sich eine Toleranz, d. h. es wird eine immer größere Menge des Suchtmittels nötig, um die gewünschte Wirkung zu erzielen.
  • Der Alkohol rückt in den Fokus des Denkens, andere Interessen werden vernachlässigt.
  • Der Konsum wird trotz der gesundheitlichen und psychischen Folgeschäden und des Wissens um die möglichen negativen Auswirkungen fortgesetzt.

Welche Folgen hat eine Alkoholabhängigkeit?

Während eine nach einmaligem Konsum auftretende, akute Alkoholvergiftung mit Körperfunktions-, Gleichgewichts- und Bewusstseinsstörungen meist relativ glimpflich überstanden wird, hat eine chronische Alkoholvergiftung, also eine fortgesetzte Vergiftung durch Ethanol, gravierende Folgen für Körper, Psyche und das soziale Leben.

Körperliche Folgen

Ein regelmäßiger hoher Alkoholkonsum kann für den gesamten menschlichen Organismus fatale Folgen haben. Da in der Hauptsache die Leber für den Abbau des zugeführten Alkohols zuständig ist, wird vor allem dieses Organ in Mitleidenschaft gezogen. Durch den fortgesetzten Konsum alkoholischer Getränke kann es zu einer Fettleber, Leberentzündungen, einer Leberzirrhose und Leberkrebs kommen. Aber nicht nur das zentrale Stoffwechselorgan kann massiv geschädigt werden. Da der Alkohol über den Blutkreislauf im gesamten Körper verteilt wird, kann es in allen Gewebestrukturen zu Schädigungen kommen. Durch das Zellgift Alkohol können Hirnstrukturen verändert werden, sodass sich die Gedächtnisleistung, das logische Denken und die Konzentrationsfähigkeit verschlechtern. Es kann beispielsweise Entzündungen von Magen und Speiseröhre sowie Magen- und Speiseröhrenkrebs verursachen, die Entstehung bösartiger Tumoren in Mundhöhle und Rachen begünstigen, das Risiko von Herzerkrankungen vergrößern, Nervenbahnen schädigen, einen zu hohen Blutdruck auslösen und zu Potenzstörungen führen.

Psychische und soziale Folgen

Der permanente Konsum von Alkohol kann negative Auswirkungen auf die Persönlichkeit des Menschen haben. Es können Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, Aggressivität, Antriebsschwäche, Angstzustände und Depressionen auftreten.

In den meisten Fällen sind die Familienmitglieder des Betroffenen die ersten, die den übermäßigen Alkoholkonsum registrieren und direkt unter den Verhaltensänderungen des Partners,oder auch der Mutter oder des Vaters, leiden und nicht selten bedeuten die auftretenden Probleme über kurz oder lang das Ende der Beziehung. Soziale Kontakte zu Freunden und Bekannten gehen oftmals verloren und Probleme im beruflichen Alltag oder der Verlust des Arbeitsplatzes können mitunter in die Langzeitarbeitslosigkeit und daraus folgend in eine finanzielle Notlage führen.

Behandlungsmöglichkeiten einer Alkoholabhängigkeit

Vor dem Entschluss, gegen den übermäßigen Alkoholkonsum vorgehen zu wollen, steht die Einsicht des Konsumenten, dass sein Trinkverhalten ein Problem darstellt. Ein Alkoholiker kann versuchen, in Eigenregie gegen seine Sucht anzugehen oder sich fachliche Hilfe suchen und sich in eine Therapie begeben. Die Behandlung der Alkoholsucht ist oftmals in vier Phasen unterteilt.

Phase 1: Kontakt

Das Aufsuchen einer Beratungsstelle bietet die Gelegenheit, zusammen mit fachkundigem Personal die weiteren Therapiemaßnahmen zu planen. Die Darlegung der individuellen Situation hilft, das weitere Vorgehen bestmöglich auf die Bedürfnisse des Betroffenen abstimmen zu können. Zum Beispiel kann die Frage geklärt werden, ob die Therapie ambulant oder stationär erfolgen soll.

Phase 2: Entgiftung

Mit der Entgiftung soll die körperliche Abhängigkeit vom Alkohol überwunden werden. Da dem Körper das Suchtmittel vorenthalten wird, muss davon ausgegangen werden, dass dieser mit starken Entzugserscheinungen reagiert. Neben Symptomen wie Zittern, Schwitzen undÜbelkeit kann zudem ein Delirium tremens (Angstzustände, Unruhe, Verwirrtheit, Halluzinationen, Krampfanfälle, gesteigerte Atemfrequenz, erhöhter Blutdruck, beschleunigter Herzschlag) auftreten. Darum empfiehlt es sich, den Entzug in einem Krankenhaus unter professioneller Aufsicht und gegebenenfalls mit medikamentöser Unterstützung durchzuführen.

Phase 3: Entwöhnung

Die Entwöhnungstherapie kann, wenn die entsprechenden stabilen Lebensumstände gegeben sind, ambulant durchgeführt werden; wer Abstand zu seinem alten Leben und den gewohnten Strukturen braucht, kann die Zeit der Entwöhnung auch stationär verbringen. In dieser Phase soll die psychische Abhängigkeit vom Alkohol überwunden werden und der Betroffene lernen, wie er ein Leben ohne Alkohol führen kann.

Phase 4: Nachsorge

Ziel der Nachsorgephase ist, den Rückfall in alte Verhaltensmuster, sprich den Konsum von Alkohol, dauerhaft zu verhindern und die Therapieerfolge zu festigen. Die nötige Unterstützung bieten Gesprächstermine in einer Suchtberatungsstelle und der regelmäßige Besuch einer Selbsthilfegruppe.