Was genau ist Adipositas und was können wir dagegen tun?

Weltweit, aber vor allem in den westlichen Industrienationen, steigt die Zahl der Menschen mit Adipositas stetig an; also die Zahl derjenigen, deren Körpergewicht über ein gewisses Maß hinausgeht bzw. die stark übergewichtig sind. Menschen, die unter Adipositas leiden, tragen zum einen ein erhöhtes Risiko für diverse Erkrankungen, die als Folgeerscheinung des starken Übergewichtes auftreten. Zum anderen wird nicht selten auch das seelische Wohlbefinden in Mitleidenschaft gezogen.

Im folgenden Beitrag lesen Sie, welche Ursachen eine Adipositas hat, welche Auswirkungen diese chronische Erkrankung mit sich bringt und wie sie behandelt werden kann.

Was ist Adipositas?

Adipositas, (lat. adeps = fett; adiposus = fettreich), auch Obesitas, Fettleibigkeit oder umgangssprachlich Fettsucht genannt, bezeichnet eine Erhöhung des Körpergewichtes durch eine übermäßige Ansammlung von Fettgewebe. Diese über das normale Maß hinausgehende Vermehrung des Körperfettanteils birgt ein gesteigertes Risiko für Begleit- bzw. Folgeerkrankungen wie z. B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Gelenkbeschwerden und Diabetes mellitus Typ 2. Grundsätzlich entsteht Adipositas, wenn dem Körper über die Nahrung mehr Energie zugeführt wird, als er verbraucht, und diese überschüssige Energie in den Fettzellen gespeichert wird. Ob eine Person übergewichtig oder adipös ist, bestimmt das Maß bzw. die Ausprägung des Übergewichts.

definition_adi_300pxDie Beurteilung und Klassifikation des Körpergewichtes kann mithilfe des Body-Mass-Indexes (BMI = Körpergewicht in Kilogramm dividiert durch Körpergröße in Metern zum Quadrat) vorgenommen werden. Bei einem BMI zwischen 25 und 29,9 liegt laut Einordnung durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein Übergewicht vor, bei Werten ab 30 gilt eine Person als adipös. Zudem wird das Ausmaß der Adipositas in einen Zusammenhang mit dem Risiko für Begleiterkrankungen gesetzt. Während bei einer Adipositas vom Grad 1(BMI-Wert zwischen 30 und 34,9) das Risiko für eine Folgeerkrankung als erhöht eingestuft wird, gilt es bei einer Adipositas vom Grad 2 (BMI-Wert zwischen 35 und 39,9) als hoch und bei einer Adipositas vom Grad 3 (BMI-Wert ab 40) als sehr hoch.

Zusätzlich zu dem Ausmaß des Übergewichts, das durch den BMI-Wert ermittelt wird, kann die Verteilung des Fetts im Körper Einfluss auf den Gesundheitszustand nehmen. Grundsätzlich ist die übermäßige Ansammlung von Fettgewebe im Bauchbereich (Figur „Apfeltyp“) gesundheitsgefährdender als eine extreme Fettansammlung im Hüftbereich (Figur „Birnentyp“). Abgesehen von der Fettverteilung im Körper im Hinblick auf die Einteilung in Apfel- und Birnentyp besteht bei einem Taillenumfang von über 102 cm bei Männern und von über 88 cm bei Frauen generell ein erhöhtes Gesundheitsrisiko

Welche Ursachen führen zu einer Adipositas?

Grundsätzlich entsteht eine Adipositas, wenn zwischen der Energieaufnahme und dem Energiebedarf fortgesetzt ein Ungleichgewicht herrscht. Übersteigt die Energiezufuhr durch die Nahrungsaufnahme regelmäßig den Energieverbrauch des Körpers, wird der Energieüberschuss im Fettgewebe gespeichert, und langfristig wird sich als Folge ein starkes Übergewicht entwickeln.

ursachen_adi_300pxZum einen ist also die Ernährung ein wesentlicher Faktor bezüglich der Entstehung einer Adipositas. Neben einer Zufuhr von Kalorien, die den tatsächlichen Energiebedarf übersteigt, spielt eine wichtige Rolle, welche Nahrungsmittel den täglichen Speiseplan bestimmen, denn vor allem eine Ernährungsweise mit fett- und kohlenhydratreichen Lebensmitteln fördert die Entstehung von Übergewicht. Zusätzlich zu dem Aspekt, dass zu Ungunsten der Qualität und zugunsten der Energiezufuhr nicht selten Fast-Food- und Fertigprodukte konsumiert werden, kann auch das Essverhalten (Essen aus Langeweile, Stress, Frust etc.) zu einem Übergewicht beitragen.

Zum anderen ist der Energie- bzw. Kalorienverbrauch des Körpers von entscheidender Bedeutung für das Entstehen einer Fettleibigkeit. Abgesehen von dem Grundumsatz, also der Energie, die der Körper im Ruhezustand zur Aufrechterhaltung der Vitalfunktionen wie Herzschlag, Atmung, Stoffwechsel etc. benötigt, ist die körperliche Aktivität eine wesentliche Komponente im Hinblick auf den Energieverbrauch. Bedingt durch die heutigen Lebensumstände mangelt es allerdings meistens an körperlicher Bewegung, die den Energieumsatz steigert. Zahlreiche Berufe werden im Sitzen ausgeübt, und nicht nur der Arbeitsalltag, sondern auch die Freizeit gestaltet sich meist bewegungsarm. Auch kurze Wege werden mit dem Auto statt zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt, Rolltreppen und Fahrstühle erhalten den Vorzug vor dem Treppensteigen, und Freizeitaktivitäten beschränken sich auf passive Beschäftigungen wie Fernsehen und Spielen am Computer.

Darüber hinaus können genetische Faktoren eine Adipositas begünstigen. In welchem Maß ein Körper die aufgenommene Nahrung verwerten kann, also wie die zugeführten Nährstoffe verstoffwechselt werden können, spielt ebenso eine Rolle wie ein fehlerhaft funktionierendes Hunger- und Sättigungsempfinden bei der Entwicklung eines starken Übergewichtes.

Zudem kann die Einnahme bestimmter Medikamente (z. B. Cortisonpräparate und Psychopharmaka) zu einer Steigerung des Appetits und somit zu einer Gewichtszunahme führen.

Welche Folgen hat eine Adipositas?

Als unmittelbare Beschwerden kann bei der chronische Erkrankung allgemein eine geringe körperliche Belastbarkeit, ein schnelles Ermüden, eine eingeschränkte Beweglichkeit, Kurzatmigkeit, eine vermehrte Schweißproduktion und eine Überlastung der Gelenke bzw. ein Gelenkverschleiß auftreten. Über diese körperlichen Auswirkungen hinaus hat eine Adipositas nicht selten auch psychische Konsequenzen für den Betroffenen. Adipösen Personen werden häufig Vorurteile entgegengebracht, sie werden diskriminiert und sehen sich im Alltag oftmals mit Problemen wegen ihrer Körperfülle konfrontiert (Schwierigkeiten, passende Kleidung zu finden; zu enge Sitze in öffentlichen Verkehrsmitteln etc.). Diese Form der Ausgrenzung führt nicht selten zu einem verminderten Selbstwertgefühl, Depressionen und einem Rückzug aus dem gesellschaftlichen Leben.

Neben diesen Auswirkungen birgt eine Adipositas das Risiko für diverse Folgeerkrankungen. Mit dem erhöhten Körpergewicht steigt die Gefahr, an Diabetes mellitus Typ 2, Bluthochdruck, Herzinsuffizienz, Gefäßverkalkung, bestimmten Krebsarten, einer Fettleber und dem Schlafapnoe-Syndrom (Atemaussetzer im Schlaf) zu erkranken.

Wie kann eine Adipositas behandelt werden?

behandlung_adi_300pxDie Behandlung einer Adipositas, die nicht nur eine Verringerung des Körpergewichtes anstrebt, sondern darüber hinaus auch zum Ziel hat, dass das verringerte Gewicht dauerhaft gehalten wird, enthält eine Kombination aus mehreren Ansätzen. Neben einer Umstellung der Ernährung und der Steigerung der körperlichen Aktivität kann eine Verhaltenstherapie empfehlenswert sein. Begleitend können zu diesen Behandlungsansätzen gegebenenfalls Medikamente eingesetzt oder auch eine Operation vorgenommen werden, um die Gewichtsreduktion zu unterstützen.

Bei der Ernährungsumstellung steht im Vordergrund, durch eine ausgewogene Ernährung die Energieaufnahme zu reduzieren. In der Umsetzung bedeutet das vordergründig, den Konsum von Nahrungsfetten einzuschränken, da diese besonders kalorienhaltig sind, und eine fettarme und ballaststoffreiche Kost (Obst, Gemüse und Vollkornprodukte) zu sich zu nehmen.

Ebenso wie die Reduzierung der Energiezufuhr ist die Steigerung des Energieverbrauchs ein wichtiger Faktor beim Abnehmen. Zum einen kann natürlich die Möglichkeit genutzt werden, sich im Alltag mehr Bewegung zu verschaffen, indem man z. B. die Treppe statt des Fahrstuhls nimmt, das Auto stehen lässt und stattdessen mit dem Rad fährt und die Fahrt mit dem öffentlichen Nahverkehr eine Station vor der eigentlichen Haltestelle beendet und den Rest des Weges zu Fuß zurücklegt. Zum anderen ist das Ausüben einer Sportart von großer Bedeutung, um den Verbrauch der Energie zu erhöhen und den Körperfettanteil zu senken. Bei der Wahl der passenden Sportart sollte natürlich einerseits der Spaßfaktor berücksichtigt werden, denn der Spaß an der körperlichen Aktivität ist eine wichtige Motivationshilfe. Andererseits sollte darauf geachtet werden, dass die Sportdisziplin sich auch für stark Übergewichtige eignet. Empfehlenswert sind gelenkschonende Ausdauersportarten wie z. B. Schwimmen, Radfahren, Nordic Walking und Rudern.

Im Hinblick auf die Umsetzung von Ernährungsumstellung und Bewegungsprogramm bietet eine Verhaltenstherapie eine wichtige Unterstützung. In dieser kann therapeutisch erarbeitet werden, welche bisherigen Verhaltensmuster und Gewohnheiten mit dem starken Übergewicht in Zusammenhang stehen und wie eine Änderung der Verhaltensweisen langfristig verwirklicht werden kann. Und auch ein gesundes und kontrolliertes Essverhalten z. B. ohne Ablenkung durch den Fernseher und das Wahrnehmen von Hunger- und Sättigungsgefühl kann durch die Verhaltenstherapie erlernt werden.

abschnitt4_adi_300pxUnter Umständen kann die Verringerung des Körpergewichtes zusätzlich durch die Einnahme von entsprechenden Medikamenten unterstützt werden. Zeigt die Kombination aus Ernährungsumstellung, Bewegungsprogramm und Verhaltenstherapie nicht den zu erwartenden Erfolg oder liegen Risikofaktoren wie Begleiterkrankungen vor, können unter ärztlicher Aufsicht Medikamente eingesetzt werden, die eine Verringerung der Fettaufnahme bewirken oder den Hunger dämpfen bzw. ein Sättigungsgefühl hervorrufen.

Stellen sich durch die anderen Behandlungsmaßnahmen keine zufriedenstellenden Resultate ein, kann bei einer Adipositas vom Grad 2 mit gleichzeitigen Begleiterkrankungen oder bei einer Adipositas vom Grad 3 ein chirurgischer Eingriff in Betracht gezogen werden. Eine gängige Methode besteht darin, in einer Operation ein Magenband zu legen. Mithilfe eines Silikonbandes wird der obere Teil des Magens verengt, sodass ein kleiner Vormagen mit einer Öffnung zum Rest des Magens entsteht. Da die aufgenommene Nahrung erst den kleinvolumigen Vormagen füllt, bevor sie langsam durch die Verengung in den Hauptmagen gelangt, führt bereits eine kleine Nahrungsmenge zu einem raschen Sättigungsgefühl. In den meisten Fällen kann durch eine derartige Magenverkleinerung sehr schnell eine Verringerung des Gewichtes erreicht werden.

Bevor man sich für diese chirurgische Maßnahme entscheidet, sollte man sich bewusst machen, dass das Einsetzen eines Magenbandes wie jede Operation zahlreiche Risiken birgt und auch nach dem Eingriff verschiedene Komplikationen mit sich bringen kann. Zudem gilt es zu bedenken, dass auch mit Magenband eine ausgewogene Ernährung und eine gesunde Lebensgestaltung für einen langfristigen Erfolg unerlässlich sind.

Tipp: Wer in den eigenen vier Wänden sportlich aktiv sein möchte, findet hier zahlreiche Fitnessgeräte; auch für ein gelenkschonendes Ausdauertraining.