Was tun bei Depressionen?

Allein in Deutschland leiden ungefähr 4 Millionen Menschen an Depressionen.Das bedeutet: Jeder fünfte Deutsche erkrankt ein Mal im Leben an einer Depression. Psychische Leiden sind Krankheiten wie andere auch, dennoch trauen sich viele Betroffene nicht, den Arzt auf Ihre Probleme anzusprechen. Dabei ist eine frühzeitige, individuelle Diagnose für die Behandlungsaussichten entscheidend. Jeden kann es treffen und jeder sollte sich helfen lassen!

Was ist eine Depression?

„Bin ich nur traurig oder ist das schon eine Depression?“ – viele Menschen, die länger oder wiederkehrend an Niedergeschlagenheit, Mutlosigkeit, Erschöpfung leiden, stellen sich diese Frage. Trauer, Stress und Überforderung als Reaktion auf konkrete Probleme wie der Verlust eines nahestehenden Menschen, Beziehungsprobleme oder zu hohe Arbeitsbelastung sind „normale“ Gefühle, die jeder kennt. Sie gehen meistens vorüber, wenn die auslösenden Ursachen konstruktiv bewältigt sind. Eine Depression bzw. depressive Störung hingegen bessert sich nicht von selbst, solange sie nicht behandelt wird. Auch sie kann unterschiedliche Auslöser haben, aber auch ganz unabhängig von äußeren Einflüssen entstehen.

depression-symptome-person-im-rohr-300x212pxSymptome einer Depression

Eine Depression kann sich vielfältig äußern, besitzt aber dennoch einige sehr charakteristische Anzeichen. Menschen, die an Depressionen leiden, empfinden eine quälende innere Traurigkeit und Gefühle wie Hoffnungslosigkeit, innere Leere und Angst. Die Betroffenen sind ohne Energie und Antrieb, verlieren ihre Interessen und die Fähigkeit sich zu freuen, alles erscheint ihnen bedeutungslos und auch einfache Tätigkeiten werden als große Anstrengung wahrgenommen. Diese Gefühle können auf Dauer u.A. zu Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Konzentrationsstörungen und Libidoverlust führen. Auch Symptome körperlicher Art wie Kopfschmerzen, Magendrücken oder Rückenschmerzen können hinzukommen.

Ursachen und Risikofaktoren

Meist gibt es nicht den einen Auslöser, sondern eine Depression entsteht aus dem Zusammenspiel mehrerer Faktoren, die miteinander in Wechselwirkung treten und sich gegenseitig verstärken. Zu diesen Ursachen können Stress, Krisen und Krankheiten, familiäre Faktoren, körperliche Auslöser, Krankheiten, Trennungen und Verluste zählen. Studien belegen, dass ein Drittel der Patienten vor dem Ausbruch der depressiven Erkrankung unter akuten oder anhaltenden belastenden Lebensereignissen litt. Auch einschneidende Ereignisse, wie die Berentung, insbesondere wenn sie vorzeitig oder erzwungen ist, oder die Geburt eines Kindes, stellen ein erhöhtes Depressionsrisiko dar. Es gibt also weder die typische Depression, noch den typischen Depressiven.

Depressionen erkennen

depression-erkennen-hilfe-300x212pxHäufig werden Depressionen nicht erkannt, weil sie sich entweder hinter körperlichen Beschwerden „verstecken“ oder die Betroffenen typische Symptome der Depression als gewöhnliche Niedergeschlagenheit deuten. Auch für Ärzte ist die Diagnose einer depressiven Erkrankung nicht immer einfach, da sich die Anzeichen von Mensch zu Mensch stark unterscheiden. Dennoch sollten Sie, wenn Sie bei sich oder Freunden Anzeichen einer depressiven Verstimmung bemerken, die länger als 2 Wochen andauern und durch äußere Umstände schwer zu beeinflussen sind, Ihren Arzt ansprechen bzw. die Freunde offen ansprechen und darin bestärken einen Arzt zu konsultieren. Je früher die Krankheit erkannt wird, desto eher ist eine erfolgreiche Behandlung sehr wahrscheinlich und die Gefahr von Rückfällen wird gemindert.

Depressionen behandeln

Bei dem Verdacht auf eine Depression ist Ihr Hausarzt der erste Ansprechpartner. Im Rahmen eines ausführlichen Diagnose-Gesprächs befragt er Sie zu Ihrer Krankheitsgeschichte, Ihrer Biografie, der aktuellen Lebenssituation, der aktuellen körperlichen und psychischen Befindlichkeit. Er führt auch körperliche Untersuchungen durch, um deren Ursache für die Erkrankung auszuschließen. Die Einteilung erfolgt nach dem Diagnosesystem der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und nach Schweregrad und Dauer der Depression. Es gibt Hausärzte, die Depressionen behandeln. Bei Bedarf werden Sie aber an einen Facharzt bzw. einen psychologischen Psychotherapeuten überwiesen.

Diagnose Depression – was tun?

Depressive Verstimmung, manische Depression, chronische Depression, depressive Störung – es schwirren viele Begriffe für das psychische Leiden umher. Fachleute unterscheiden zwischen unipolarer bzw. monopolarer Depression, bipolarer affektiver Störung und Dysthymie (anhaltender „chronischer“Verlauf der Depression). Die Therapie richtet sich nach erstmaligem oder wiederholtem Auftreten der Depression und nach der Schwere der Erkrankung. Nicht immer müssen sofort Medikamente gegen Depression genommen oder eine psychotherapeutische Behandlung begonnen werden.

Hilfe bei leichten Depressionen

Hat der Arzt eine sehr leichte Ausprägung der Depression diagnostiziert, können Sport- und Bewegungstherapie, Entspannungsverfahren, Antidepressiva oder Heilmittel auf pflanzlicher Basis, wie spezielle Johanniskrautextrakte, die der Arzt Ihnen verschreiben kann, helfen. Bei einer leichten Depression können auch regelmäßige Gespräche mit einem Therapeuten Hilfe bieten. Saisonale depressive Phasen, wie die in der dunklen Jahreszeit auftretende Winterdepression, lassen sich möglicherweise mit Hilfe einer Lichttherapie lindern.

depression-lebensfreude-schilder-300x212pxTherapie der Depression

Die klassische Therapie einer Depression beruht auf 3 Pfeilern: medikamentöse Behandlung mit Antidepressiva, psychotherapeutische Behandlung, körperbezogene oder sozialpädagogische Therapien. Eine sich individuell an dem Patienten orientierende Behandlung aus allen drei Bereichen bringt die aussichtsreichsten Erfolge bei der Bewältigung der depressiven Störung.

Antidepressiva

Die vom Arzt verordneten Medikamente gegen eine Depression machen, entgegen verbreiteter Vorurteile, nicht abhängig und haben auch keine Auswirkungen auf die Persönlichkeit. Bei mittelschweren und schweren Depressionen sind sie meist unverzichtbar. Jedoch können Sie Nebenwirkungen haben und eventuell nicht gut genug wirken, in welchem Fall der Arzt ein anderes Antidepressivum verschreiben muss. Wichtig ist aber, dass Antidepressiva in jedem Fall wie verordnet und ausreichend lange eingenommen werden. Im Regelfall dauert die Akutbehandlung 4-6 Monate, die Erhaltungstherapie weitere 4-6 Monate. Mit letztgenannter soll die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls gesenkt werden. Halten Sie die Medikamenteneinnahme wie verordnet ein, bleibt es in vielen Fällen bei einer depressiven Episode.

Psychotherapeutische Behandlung

Die Psychotherapie findet meist in Form regelmäßiger Gespräche mit einem Therapeuten statt und kann bei leichten Depressionen schon ausreichen, um wieder gesund zu werden. Bei mittleren bis schweren Depressionen ist sie, wie die medikamentöse Therapie mit Antidepressiva, für den Behandlungserfolg enorm wichtig. Die psychotherapeutische Behandlung kann als kognitive Verfahrenstherapie oder als tiefenpsychologische Behandlung durchgeführt werden. Manchmal kann etwas Zeit vergehen, bis Sie und Ihr Therapeut die für Sie individuell passende Behandlung gefunden haben, weshalb Sie sich nicht scheuen sollten, verschiedene Verfahren auszuprobieren. Wichtig ist, dass Sie sich mit Ihrem Psychotherapeuten wohl fühlen.

Körperbezogene und sozialpädagogische Therapien

Mit therapeutischen Maßnahmen, wie Ergotherapie oder Bewegungstherapie, können Sie die erfolgreiche Behandlung der Depression unterstützen. Sozialpädagogische Maßnahmen im Alltag und am Arbeitsplatz helfen Ihnen, die finanziellen Angelegenheiten zu meistern und unterstützen Sie nach längerer Krankheit bei der Wiedereingliederung in den Beruf.

Stationäre Behandlung

Können ambulante, medikamentöse oder psychotherapeutische Behandlungen bei einer sehr schweren Depression nicht ausreichend helfen, ist ein stationärer Aufenthalt in einer Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik geboten. Dies ist erforderlich bei akuter Suizidgefahr, lang andauerndem Verlauf ohne erkennbare Besserung, erfolglosen Therapien, ernsthaften sozialen Problemen und bei gleichzeitig auftretenden schweren körperlichen Erkrankungen.

Einen Psychotherapeuten finden

depression-psychotherapeuten-gespraech-300x212pxWer eine Depressive Störung hat, braucht eine Therapie und einen Psychotherapeuten, dem er vertrauen kann. Es ist oft leider nicht so einfach diesen zu finden, zumal sich der depressiv Erkrankte selbst darum kümmern muss. Jeder gesetzlich Krankenversicherte hat Anspruch auf Psychotherapie und benötigt dafür keine Überweisung vom Arzt. Als gesetzlich Versicherter müssen Sie einen Psychotherapeuten mit Approbation und Kassenzulassung aufsuchen, damit die Krankenkasse die Kosten übernimmt. Einen Therapeuten im Umkreis des eigenen Wohnortes finden Sie in Internetportalen, wie dem der regional organisierten Kassenärztlichen Vereinigungen, der Deutschen Psychologen-Akademie (www.psychotherapiesuche.de) und der Bundestherapeutenkammer (www.bptk.de). Sie können sich selbst direkt an den Therapeuten wenden oder einen Freund oder Ihren Hausarzt bitten einen Termin zu vereinbaren.

Überbrückung der Wartezeit auf die Therapie

Leider kommt es immer wieder vor, dass es Wochen oder Monate dauert, bis die Psychotherapie beginnt. Bleiben Sie nicht untätig und holen Sie sich in dieser Zeit Hilfe, z.B. bei den regionalen Krisendiensten und Beratungsstellen, die es vielerorts gibt. Hier können Sie mit Psychologen telefonische oder persönliche Gespräche über akute Probleme führen. Die Adressen finden Sie über das Onlineportal der Deutschen Depressionshilfe (www.deutsche-depressionshilfe.de).

Unterstützende Therapien

Bei der Behandlung einer depressiven Erkrankung gibt es eine Vielzahl an unterstützenden Angeboten, wie Bewegungstherapie, Kunst- und Tanztherapie, ambulante Ergotherapie und auch Selbsthilfegruppen. Während der Austausch in einer Gruppe gegenseitige Unterstützung bietet, kann Bewegung zur körperlichen Erholung führen, kreative Leistungen die Selbstbestätigung fördern. Gerade Bewegung und Sport helfen vielen Patienten, ihre Depression zu überwinden.

Mit Ausdauersportarten wie Wandern, Nordic Walking, Radfahren oder Laufen an der frischen Luft, sorgen Sie für Bewegung und Licht gleichermaßen und können, wie Studien belegen, eine depressive Erkrankung bessern.Sie sehen also, es gibt auch einiges, was Sie trotz ernster Erkrankung selbst tun können. Unsere Empfehlung dazu: Die beliebtesten Ausdauer-Sportarten und ihren besten Indoor-Alternativen.