Zehn Prostata-Mythen auf dem Prüfstand

Die Prostata gehört zu den inneren männlichen Geschlechtsorganen. Sie wird auch Vorsteherdrüse genannt und besteht aus zwei Teilen, dem Drüsengewebe und der Muskulatur einerseits und einer Kapsel, die Gewebe und Muskulatur umgibt, andererseits. Die Prostata liegt unter dem Blasenausgang und umschließt wie ein Ring die Harnröhre. Nicht größer als eine Walnuss, ranken sich um die Prostata und um die Krankheiten, von der sie betroffen sein kann, eine Vielzahl von Mythen.

Die Mythen im Überblick:

  1. Die Prostata ist nutzlos.
  2. Häufiger Sex hält die Prostata fit.
  3. Ist die Prostata vergrößert, handelt es sich um Prostatakrebs.
  4. Im Alter wird der Harnstrahl automatisch schwächer.
  5. Radfahren führt zu Prostata-Problemen.
  6. Nur ältere Männer können an Prostatakrebs erkranken.
  7. Testosteron ist für die Entstehung von Prostatakrebs verantwortlich.
  8. Ein hoher PSA-Wert zeigt eine Krebserkrankung an.
  9. Die Prostata-Untersuchung ist unangenehm und schmerzhaft.
  10. Solange man keine Beschwerden hat, kann man auf die Prostata-Untersuchung verzichten

1. Die Prostata ist nutzlos.

Die Prostata gehört zu den inneren Geschlechtsorganen und produziert ein Sekret, das den Hauptbestandteil der Samenflüssigkeit bildet. Mit diesem Sekret werden nicht nur die Spermien geschützt, sondern sie bewegen sich auch schneller. Daher ist die Prostata für die Fruchtbarkeit unerlässlich.

2. Häufiger Sex hält die Prostata fit.

anatonie-prostata-300pxEine häufige Annahme ist, dass häufiger Geschlechtsverkehr das Risiko verringert, eine Erkrankung der Prostata zu erleiden. Als gesichert gilt diese Annahme jedoch nicht. Eine Studie, die an der Universität Nottingham durchgeführt wurde, kam zu dem Ergebnis, dass häufige sexuelle Aktivitäten in einem Alter zwischen 20 und von 40 Jahren das Risiko erhöhen, in späteren Jahren an Prostatakrebs zu erkranken. Ältere Männer, die häufigen Geschlechtsverkehr praktizieren, dagegen sind den Ergebnissen der Studie zufolge besser vor Prostatakrebs geschützt. Allerdings gelten diese Ergebnisse nicht als gesichert. Das Forscherteam um Graham Giles vom Cancer Epidemiology Centre in Melbourne dagegen haben herausgefunden, dass häufiger Geschlechtsverkehr in jungen Jahren davor schützt, später Prostatakrebs zu entwickeln.

Die Deutsche Krebshilfe kommt zu dem Schluss, dass sich häufiger Geschlechtsverkehr nicht auf die Entstehung von Prostatakrebs auswirkt.

3. Ist die Prostata vergrößert, handelt es sich um Prostatakrebs.

Die Prostata vergrößert sich bei fast jedem Mann irgendwann. Bereits bei den über 50-Jährigen ist jeder zweite von einer Vergrößerung der Prostata betroffen. Damit gehört sie zu den Alterungsprozessen beim Mann, die natürlich und gutartig sind. Nicht jeder hat durch die vergrößerte Prostata Beschwerden. Weitet sich die Prostata in Richtung Harnröhre aus und engt diese ein, kann dies allerdings zu Problemen führen. Typisch sind hierbei unter anderem ein häufiger Harndrang, Schmerzen beim Wasserlassen, eine langwierige Entleerung der Blase oder auch eine Drang-Inkontinenz.

Prostatakrebs macht sich zudem nicht zwingend durch eine Vergrößerung bemerkbar. Vor allem im Anfangsstadium verursacht er häufig keine Beschwerden und macht sich erst dann bemerkbar, wenn der Tumor bereits eine bestimmte Größe erreicht hat.

4. Im Alter wird der Harnstrahl automatisch schwächer.

risikofaktor-radfahren-300pxOb die Prostata, die wie ein Ring um die Harnröhre liegt, einen schwachen Harnstrahl verursacht, kommt auf die Ausdehnungsrichtung an. Vergrößert sich die Prostata in Richtung der Harnröhre, kann dies zu Einengungen führen. Dabei wird das Wasserlassen behindert. Doch nicht in jedem Fall ist der schwächer werdende Harnstrahl harmlos. Kann der Urin nicht ungehindert aus der Blase entweichen, können sich hier Bakterien vermehren und es kann zu Reizungen kommen. Versiegt der Harnstrahl ganz und es kommt zu einer totalen Harnsperre sollte man sofort den Arzt aufsuchen, da sich die Blase stark vergrößert und die Schwellung zu dauerhaften Schäden führen kann.

5. Radfahren führt zu Prostata-Problemen.

Ein Mythos, der sich hartnäckig hält, ist die Annahme, Radfahren sei für die Entstehung von Prostata-Problemen und Prostata-Krebs verantwortlich. Experten geben hierbei Entwarnung. Allerdings kann sich nach dem Radfahren aufgrund des Drucks, den der Sattel auf die Prostata ausübt und die dadurch entstehenden Reizungen, der PSA-Wert erhöhen. Zudem kann es zu Prostata-Entzündungen kommen, die sich wiederum auf das Krebserkrankungsrisiko auswirken können. Mittlerweise gibt es daher spezielle Sättel mit Aussparungen in der Mitte, mit Vertiefungen oder mit Gel-Polstern, mit denen der Druck auf die Prostata beim Radfahren verringert wird.

6. Nur ältere Männer können Prostatakrebs bekommen.

Dass mit dem Alter das Risiko steigt, an Prostatakrebs zu erkranken, ist unumstritten. Jedoch können schon jüngere Männer von der Erkrankung betroffen sein. Das Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken liegt bei Männern im Alter von 40 Jahren bei 0,1 %. Bei Männern im Alter von 70 Jahren steigt das Risiko auf 6,3 % an. Das Lebenszeitrisiko, also das Risiko jedes Einzelnen, im Laufe seines Lebens an Prostatakrebs zu erkranken, liegt bei 12,3 %. Ab einem Alter von 45 Jahren übernimmt die Krankenkasse jährliche Testuntersuchungen, bei denen die Prostata durch den Darm untersucht wird und die der Früherkennung dienen.

7. Testosteron ist für die Entstehung von Prostatakrebs verantwortlich. psa-test-roehrchen-300px

Diese Ansicht ist nach neueren Untersuchungen nicht haltbar. Früher hat man angenommen, dass Prostatakrebs durch das männliche Geschlechtshormon Testosteron verursacht wird. Wie die Deutsche Krebshilfe informiert, hat das Testosteron keinen Einfluss auf das Erkrankungsrisiko. Allerdings beeinflusst Testosteron den Prostatakrebs dann, wenn er entstanden ist und hat dann eher schädliche Auswirkungen.

8. Ein hoher PSA-Wert zeigt eine Krebserkrankung an.

terminkalender-untersuchung-300pxAls PSA wird das Sekret bezeichnet, das von der Prostata produziert wird und das den Samen verflüssigt. Ein erhöhter PSA-Wert tritt in unterschiedlichen Situationen auf, zum Beispiel bei einer gutartigen Vergrößerung oder bei einer Entzündung der Prostata. Auch bei einem Prostatakarzinom ist der PSA-Wert erhöht, weshalb der PSA-Test mitunter für die Früherkennung genutzt wird. Allerdings deutet ein hoher PSA-Wert keineswegs automatisch daraufhin, dass Prostatakrebs vorhanden ist. Die Deutsche Krebshilfe gibt an, dass die PSA-Werte bei rund 20 Prozent der getesteten Männer in einem Bereich liegen, der der Abklärung bedarf. Bei rund einem Viertel dieser Männer wird bei darauffolgenden Gewebeproben ein Karzinom entdeckt. Allerdings besteht beim PSA-Test das Risiko der Überdiagnose und der Übertherapie und die Krankenkassen übernehmen die Kosten für den PSA-Test nicht.

9. Die Prostata-Untersuchung ist unangenehm und schmerzhaft.

Die regelmäßige Vorsorgeuntersuchung der Prostata, die ab dem 45. Lebensjahr von den Krankenkassen übernommen und empfohlen wird, ist eine digital-rektale Tastuntersuchung. Hierbei tastet der Arzt die Prostata durch den Darm ab. Die Untersuchung dauert nur wenige Minuten, ist schmerzfrei und birgt keine Risiken. Viele Männer müssen hierfür etwas Schamgefühl überwinden, allerdings werden hierbei auch Tumore gefunden, die kein PSA produzieren und demnach durch einen reinen PSA-Test nicht gefunden worden wären.

10. Solange man keine Beschwerden hat, kann man auf die Prostata-Untersuchung verzichten.

Wie bereits beschrieben, macht sich Prostatakrebs anfangs nicht bemerkbar. Erst wenn er eine kritische Größe erreicht hat, verursacht er Schmerzen oder beeinträchtigt die Entleerung der Blase. Eine Früherkennung, die die Heilungschancen massiv erhöht, ist daher nur bei einer regelmäßigen Vorsorgeuntersuchung möglich.