Zucker-Alternativen auf dem Prüfstand – Sind Stevia und Co. so gut wie ihr Ruf?

Die Deutschen (wie alle anderen Industrienationen auch) essen zu viel Zucker. Übergewicht, Diabetes und verschiedenste andere Erkrankungen, etwa des Herz-Kreislauf-Systems, sind die Folge. Gefahr erkannt – allerdings längst nicht gebannt. Denn wann immer wir zu bereits verarbeiteten Lebensmitteln greifen, nehmen wir sehr viel mehr Zucker zu uns als wie brauchen und oftmals auch als wir denken. Denn es sind nicht nur Süßigkeiten, die voller Industriezucker stecken. Von der Backware über vermeintlich gesunde Milchprodukte oder Smothies bis hin zu so ziemlich allen Fertiggerichten – der Blick auf das Etikett entlarvt sie alle als wahre Zucker-Bomben. Was also tun? Wir schauen uns die beliebtesten Zucker-Alternativen einmal an!

Stevia – Echtes Wunder-Süßungsmittel oder auch kein Allheilmittel? 

Viele schwören inzwischen auf Stevia, da es keine Kalorien enthält und unseren Insulinstoffwechsel nicht beeinflusst. Zudem ist die Süßungs-Wirkung der unseres bekannten Industrie-Zuckers um ein Vielfaches überlegen. Man braucht also deutlich weniger Stevia als Zucker, um die gleiche Süße zu erreichen.

Ganz unkritisch sollte man Stevia allerdings nicht betrachten. Anders als viele Verbraucher glauben, handelt es sich bei diesem Süßungsmittel keinesfalls um ein Naturprodukt, ein Bio-Siegel werden Sie auf einer Stevia-Verpackung vergeblich suchen. Denn zur Gewinnung des Produkts ist ein recht aufwändiger chemischer Prozess nötig, im Zuge dessen bestimmte chemische Verbindungen der Pflanze, die so genannten Steviolglycosiden, extrahiert werden.

Auch geschmacklich sind eventuell Abstriche zu machen, denn Stevia macht zwar süß, viele „Stevia-Neulinge“ schmecken aber auch eine leicht bittere Note im Abgang heraus. Wer sich daran nicht stört, findet in Stevia aber eine gute Alternative zum normalen Haushaltszucker. Aber Achtung: Werfen Sie auch bei Stevia einen Blick auf die Verpackung, oftmals werden den Produkten andere Zuckerarten zugesetzt, um mehr Masse zu schaffen.

Dicksäfte – die natürlichen Süßmacher?

Besonders Verfechter natürlicher Süßstoffe setzen häufig auf Dicksäfte. Besonders bekhonig-kamille-300pxannt sind Algaven-Dicksäfte, aber auch aus Äpfeln, Trauben oder Birnen werden sehr süße Sirupe gewonnen, die sich zum Süßen verschiedener Speisen gut eignen. Großer Vorteil gegenüber herkömmlichem Haushaltszucker: Wertvolle Inhaltsstoffe wie Spurenelemente, Mineralstoffe und teilweise auch sekundäre Pflanzenstoffe bleiben in nennenswerten Mengen erhalten, Dicksäfte enthalten also keine so genannten ‚leeren Kalorien‘ so wie es beim Industriezucker der Fall ist.

Kalorien enthalten Sie allerdings sehr wohl, genau wie reichlich Fruchtzucker, der bei übermäßigem Konsum als gesundheitsschädlich eingestuft wird. Zudem kann nicht jeder große Mengen von Fruchtzucker vertragen, so dass Probleme mit der Verdauung durchaus vorkommen können. So eignen sich Dicksäfte zwar durchaus als gesunde Alternative zum Haushaltszucker, sollten aber ebenfalls nur in Maßen konsumiert werden. Wie sooft macht die Menge irgendwann das Gift.

Xylit – süßer Schutz für unsere Zähne?

Den meisten sagt der Begriff Xylit eher im Zusammenhang mit Karies-Prophylaxe etwa denn als Süßstoff. In beiden Zusammenhängen ist Xylit, genauer der Zuckeraustauschstoff Xylitol, von Bedeutung, denn es kann beides: einen süßeren Geschmack erzeugen und die Entstehung von Karies verhindern oder verlangsamen. Im Vergleich zu Haushaltszucker: Xylit verfügt über die gleiche Süßkraft, enthält aber nur 40% der Kalorien.

Auch bei Xylit bleibt die Kontraseite allerdings nicht leer. Für viele problematisch: Bei häufigem oder übermäßigem Verzehr wirkt Xylit abführend und oftmals blähend. Ab wann dieses ‚Übermaß‘ erreicht ist, ist leider von Mensch zu Mensch verschieden. Weiterer Wehrmutstropfen: Anders als von der Industrie gern beworben, handelt es sich bei Xylit oftmals nicht um den viel gelobten ‚natürlichen Zucker‘ aus finnischem Birkenholz. Ebenso viele Produkte werden aus Maiskolben-Abfällen hergestellt, so dass die Verarbeitung gentechnisch veränderter Zutaten oft schwer auszuschließen ist. Wer sicher sein möchte, sollte beim Kauf auf Produkte aus Birkenholz setzen.

Besser als Zucker-Alternativen­: Das Gefühl für Süße zurückgewinnen

gesunde_lebensmittel-300pxDie beste Alternative zu (bewusstem oder unbewusstem) übermäßigem Verzehr von Zucker ist im Grunde viel einfacher als der Einsatz jeglicher Ersatzstoffe. Lernen Sie wieder einen ‚normalen‘ Geschmack für Zucker. Kein Vorwurf, fast jeder verlernt im Laufe seines Lebens das gesunde Gefühl für Süße. Denn die Industrie „verwöhnt“ uns mit Zucker in einem solchen Übermaß, dass normale Süße irgendwann nicht mehr als süß wahrgenommen wird bzw. gar  nicht mehr wahrgenommen werden kann. Unsere Geschmacksnerven passen sich ganz einfach an.

Diesen Effekt können wir aber auch wieder umkehren. Damit es nicht zur Schock-Therapie wird, sollten Sie sich dafür aber eine ganze Menge Zeit lassen. Der wichtigste und wirkungsvollste Schritt:  Versuchen Sie, auf Fertigprodukte so gut es irgendwie geht, zu verzichten und kochen, backen, braten Sie unverarbeitete Lebensmittel. So werden Sie Ihren Zuckerkonsum automatisch massiv einschränken. Nach und nach wird es Ihnen auch leicht fallen, Ihren ‚aktiven‘ Zuckerkonsum zu reduzieren. Geben Sie doch einfach nach und nach (über einen langen Zeitraum) immer etwas weniger Zucker in den Kaffee oder Tee. Sie werden merken, Ihre Geschmackssinne passen sich langsam an. Müssen Sie Ihren Milchreis wirklich mit Zimt und Zucker bestreuen? Oder schmecken ein paar Früchte nicht genauso gut? Versuchen Sie einmal, beim nächsten Kuchen backen, die Zugabe von Zucker ein kleines Bisschen zu reduzieren. Schmecken Sie einen Unterschied? Durchforsten Sie Ihren Alltag bzw. Ihr Essverhalten, Sie werden merken, den Zuckerkonsum zu reduzieren ist weitaus weniger schwierig als es im ersten Moment scheint.