Wie Sie in fremden Betten besser schlafen

Bekommen Sie an fremden Orten in der ersten Nacht kein Auge zu? Wälzen Sie sich im wohlverdienten Urlaub anfangs unruhig hin und her, statt endlich einmal auszuschlafen? Damit sind Sie nicht allein. US-Amerikanische Forscher haben nun herausgefunden, warum viele Menschen in fremden Betten schlecht schlafen und können jetzt eine wissenschaftliche Erklärung für den sogenannten „Erste-Nacht-Effekt“ liefern.

Wie sich der „Erste-Nacht-Effekt“ erklären lässt

Schon länger ist innerhalb der Schlafforschung bekannt, dass sich die Schlafstruktur während der ersten Nacht in einer neuen Schlafumgebung entscheidend ändert. Dieses Phänomen, das im Englischen als „First-Night-Effect“ bezeichnet wird, geht häufig mit einer kürzeren Schlafdauer, mit mehr flachen Schlafstadien, mit häufigerem Aufwachen und mit einem geringeren Erholungseffekt einher.

Die Autoren der neuen US-Studie, darunter Masako Tamaki und Yuka Sasaki, haben über insgesamt drei Experimente hinweg mit verschiedenen Methoden die nächtlichen Hirnaktivitäten von 35 Freiwilligen untersucht, um diesem Phänomen auf die Spur zu kommen. Im Schlaflabor konnten sie zeigen, dass die linke Gehirnhälfte während des Schlafes in einer neuen Umgebung wachsam bleibt. Sie reagierte auf Stimulierungen, wie Piepgeräusche im rechten Ohr. So wird sie sozusagen zum Nachtwächter, während die rechte Gehirnhälfte sich im Tiefschlaf befindet. Ein solcher Ein-Hemisphären-Schlaf ist bisher beispielsweise von Meerestieren bekannt. Bereits in der zweiten Nacht zeigt sich, dass die Schlafqualität zunimmt. Ein solcher Unterschied zwischen der Aktivität der linken und der rechten Gehirnhälfte, wie er in der ersten Nacht zu messen war, war in der zweiten Nacht nicht mehr gegeben.

Wie Sie der ruhelosen Nacht entgehen

Dass der Erste-Nacht-Effekt nun auch wissenschaftlich belegt ist, bedeutet nicht, dass man ihn ohne Weiteres hinnehmen muss. Die neuen Erkenntnisse geben vielmehr Hinweise darauf, wie der unruhige Schlaf in fremden Betten sich verhindern oder zumindest mindern lässt. So kann eine Anpassung an die gewohnte Schlafumgebung helfen. Auf Reisen bietet es sich beispielsweise an, einfach das eigene Kopfkissen mitzunehmen. Wer Urlaub im Ferienhaus macht und mit dem Auto anreist, findet vielleicht sogar für die eigene Bettwäsche Platz. Ein kleines Duftkissen, das mit dem eigenen Waschmittel gewaschen wurde, verbreitet vertraute Gerüche. Viel- oder Geschäftsreisende können das Gehirn austricksen, wenn sie Hotels buchen, die sich ähnlich sind. So haben viele Hotelketten in ihren Hotels ähnliches Mobiliar und ähnliche Zimmergrößen. Ohrstöpsel helfen, ungewöhnliche Geräusche besser auszublenden.

Schlafstörungen wirksam behandeln

Für Schlafforscher ist die neue Studie zum „Erste-Nacht-Effekt“ auch hinsichtlich anderer Schlafstörungen interessant. Sie zeigt, dass das Gehirn während der Nacht nicht homogen arbeitet und kann daraus eventuell neue Behandlungsmethoden ableiten. Die Achtsamkeit des Gehirns ist so möglicherweise auch bei dauerhaften Schlafstörungen gegeben, die auf Überreiztheit zurückzuführen sind. Wer viel Stress hat oder sich in außergewöhnlichen Lebenssituationen befindet, sollte daher besonders auf sein Schlafverhalten achten. Ein regelmäßiger Ablauf vor dem Schlafengehen und das Schlafengehen allabendlich zur selben Zeit helfen dem Gehirn, in den Schlafmodus zu kommen. Wer dennoch nicht zur Ruhe kommt, sollte sich jedoch keinesfalls zwingen, im Bett zu bleiben. Hier helfen Entspannungstechniken, wie die Progressive Muskelentspannung oder das Autogene Training, körperliche und mentale Verspannungen zu lösen. Kurse hierfür sind in jeder Stadt zu finden und werden unter anderem von Volkshochschulen, Physiotherapeuten oder in Fitnessstudios von ausgebildeten Therapeuten angeboten.