Barrierefrei wohnen – Darauf sollten Sie achten!

Die meisten Menschen möchten auch im Alter in ihrer gewohnten Umgebung bleiben. Was viele Jahre lang das vertraute Heim war und den Ansprüchen an das Familienleben bestens genügte, ist allerdings oft nicht an die Bedürfnisse im Alter angepasst. Die Kräfte lassen nach, das Augenlicht wird schwächer und die Sturzgefahren steigen. Wer sich rechtzeitig auf diese, ganz normalen, Entwicklungen vorbereitet, kann dennoch lange in den eigenen vier Wänden wohnen – oft selbst dann, wenn Betreuung und Pflege notwendig werden.

Die Themen im Überblick:

Beratungen in Anspruch nehmen

Wer lange in der eigenen Wohnung oder im eigenen Haus bleiben möchte, sollte sich möglichst rechtzeitig um nötige Umbauarbeiten kümmern. Ist die Wohnung bereits barrierefrei, wenn Sie noch körperlich fit sind, sparen Sie sich für die Zukunft eine Menge Nerven, haben Zeit für die Planung und können umfassende Beratungsangebote in Anspruch nehmen. Unterstützung bietet beispielsweise bundesweit die Landesberatungsstelle Barrierefrei Bauen und Wohnen an. Hier erhalten Sie eine kostenlose Beratung unter anderem zur Wohnungsanpassung, zu Hilfsmitteln für den Alltag und zu bautechnischen Fragen. Auch die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungsanpassung bietet verschiedene Wohnberatungsstellen in ganz Deutschland an. Weitere Anlaufstellen sind das Sozial- und Wohnungsamt Ihrer Kommune und die Handwerkskammern. Zudem helfen Krankenkassen und Pflegedienste weiter.

Förderung für die Wohnungsanpassung erhalten

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Für die Wohnungsanpassung gibt es unterschiedliche Förderungsmöglichkeiten. Die Förderungen unterstützen die Umbaumaßnahmen mit Zuschüssen. In jedem Fall jedoch sollte mit Kosten gerechnet werden, die für den Umbau anfallen. Je eher die Wohnungsanpassung geplant wird, desto besser können dadurch bestehende finanzielle Belastungen abgefangen und einkalkuliert werden. Noch besser ist es, wenn ein Haus von Anfang an barrierefrei gebaut wird.

Die Förderung durch Pflegekassen und Krankenkasse

Wer bereits in eine Pflegestufe eingestuft worden ist, kann sich zunächst an die Pflegekassen wenden. Sie fördern „wohnumfeldverbessernde Maßnahmen“ sowie Pflegehilfsmittel, beispielsweise die Umgestaltung des Bades, Türverbreiterungen, den Einbau von Rampen oder eines Hausnotrufes. Auch, wer in seiner Alltagskompetenz eingeschränkt ist, kann Zuschüsse durch die Pflegekassen erhalten, ohne dafür bereits in einer Pflegestufe eingestuft worden zu sein. Die Förderung umfasst einen Zuschuss von maximal 4.000,- Euro pro Maßnahme. Bei der Förderung durch die Pflegekassen sollte man mit dem Umbau erst dann beginnen, wenn der Antrag tatsächlich genehmigt wurde. Wer Hilfsmittel benötigt, kann sich für Förderungen an die Krankenkasse wenden. Sie fördert unter Vorlage eines ärztlichen Rezeptes beispielsweise Seh- und Hörhilfen, Sitzerhöhungen für die Toilette oder Gehhilfen.

Die Förderung durch KfW-Kredite

Weitere Fördermöglichkeiten in Form von zinsgünstigen Krediten gewährt die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Diese finanziert im Rahmen des Programms „Wohnraum Modernisieren – Altersgerecht Umbauen“ die Barrierereduzierung in Wohnung und Wohnumfeld. Besonders spannend ist diese Form der Förderung auch für all jene, die ihre Wohnung beizeiten barrierefrei gestalten möchten. Gefördert werden beispielsweise der Umbau von altersgerechten Parkplätzen, die Gestaltung von barrierefreien Hauseingängen, der Einbau von Treppenliften, der Abbau von Schwellen, die Verbreiterung von Türen, der Einbau einer bodengleichen Dusche und vieles mehr.

Welche Umbauten für ein barrierefreies Zuhause anfallen können

Unabhängig davon, ob Sie im Alter noch rüstig oder mit Rollator oder Rollstuhl unterwegs sind – Treppen und Stufen können immer zur Stolperfalle werden. Eine Wohnung, die sich an das Alter anpasst und barrierefrei ist, sollte Ihnen einerseits ungehinderten Zugang zur Wohnung gewähren, andererseits sollten Stürze in der Wohnung selbst vermieden werden. Neben einem ebenerdigen Boden gehört die gute Beleuchtung zu den Dingen, die in jedem Zimmer gewährleistet sein sollten.

Den Zugang zum Haus barrierefrei gestalten

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Ein barrierefreies Zuhause betrifft nicht nur den Innenbereich von Haus oder Wohnung, sondern bereits den Zugang. Ist der Eingang nur über Stufen zu erreichen, muss eine Rampe errichtet werden. Der gesamte Zugang zum Haus sollte glatt und kantenlos sein. Auch Kanten an der Tür oder eine einzelne Eingangsstufe vor dem Haus stellen Hindernisse dar, die ein Rollstuhl überwinden müsste. Fußmatten sind ebenfalls gängige Stolperfallen und sollten entweder so beschaffen sein, dass sie bündig mit dem Fußboden abschließen oder sie werden entfernt. Günstig ist es, den Boden selbst kontrastreich zu gestalten, um eine visuelle und taktile Orientierung zu ermöglichen. Ein elektrischer Türantrieb ermöglicht es, die Tür auch vom Rollstuhl aus und ohne viel Kraftaufwand zu öffnen. Neben dem Türöffner sollte die Tür einen Türschließer erhalten, mit dem sich die Tür nach einer bestimmten Zeit von selber schließt. Darüber hinaus ist eine ausreichende Beleuchtung des gesamten Eingangsbereiches erforderlich. So kann der Weg besser erkannt werden. Ein beleuchtetes Nummern- und Klingelschild trägt außerdem zur besseren Orientierung bei und sorgt dafür, dass der Eingang unfallfreier wird.

Ein barrierefreier Flur

Ein Flur, in dem sich die Schuhe stapeln, die Jacken an der Garderobe überquellen und der mit Möbeln, wie wuchtigen Kommoden vollgestellt ist, bietet an vielen Stellen Gefahrenquellen. Zunächst einmal sollte im Flur so viel Platz sein, dass die Bewegungsfreiheit gewährleistet bleibt. Je weniger Möbel hier stehen, desto besser. Praktisch sind dagegen Möbel zum Hinsetzen, wie ein Stuhl oder eine schmale Sitzbank, auf der Sie sich bequem die Schuhe ausziehen können. Läufer oder Fußabtreter mit Kanten sind im Flur, ebenso wie im Eingangsbereich, tabu. Stattdessen sollte der Bodenbelag glatt und rutschfrei sein und es sollte keine Schwellen und Kanten geben. Spiegel, die bis zum Boden reichen, können im Sitzen und Stehen und damit auch von Rollstuhlfahrern genutzt werden. Ablagemöglichkeiten für Accessoires, Schlüssel, Brille oder Gehhilfen sollten sich nah der Eingangstür befinden und so angebracht sein, dass sie kein Hindernis darstellen. Garderoben werden am besten so befestigt, dass auch Rollstuhlfahrer sie vom Sitzen aus erreichen.

Das barrierefreie Badezimmer

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Das Bad ist, was die Barrierefreiheit betrifft, einer der wichtigsten Räume. Je länger die Selbstständigkeit im eigenen Bad gewährleistet ist, desto mehr lässt sich hier die Intimität bewahren. In einem barrierefreien Bad wird grundsätzlich etwas mehr Platz benötigt, sodass sich hier auch Rollstuhlfahrer oder Menschen, die Gehhilfen benötigen, ungestört bewegen können. Ob ein Bad die nötige Größe hat und wie sie bei Bedarf erreicht werden kann, darüber berät am besten ein erfahrener Architekt vor Ort. Die Dusche im barrierefreien Bad muss stufenlos sein und sollte über einen rutschhemmenden Bodenbelag verfügen. Wird ein Duschsitz oder ein Duschstuhl nötig, sollte dieser mit einer Rückenlehne ausgestattet sein und Armstützen haben. Der Waschtisch im Bad wird so gewählt, dass er unterfahrbar ist und in einer Höhe von rund 80 cm montiert wird. Auch im Bad sollte der Spiegel nicht nur im Stehen, sondern auch sitzend einsehbar sein. Im barrierefreien Bad werden zudem Anpassungen am WC erforderlich. Hierfür wird die Höhe angepasst und es werden Stützgriffe angebracht. Zudem muss die Toilettenspülung, ebenso wie der Toilettenpapierhalter, so angebracht sein, dass er sich im vorderen Bereich des Sitzenden befindet. Empfehlenswert ist zudem die Installation eines Notrufschalters im Bad.

Wohn- und Schlafzimmer gemütlich und barrierefrei gestalten

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Viele ältere Menschen verbringen die meiste Zeit in Wohn- und Schlafzimmer. Barrierefreiheit muss in diesem Räumen nicht bedeuten, dass sie plötzlich kalt und ungemütlich wirken. Ganz im Gegenteil – mit der passenden Ausstattung erleichtern sie das Wohnen und bieten viele Möglichkeiten, den Alltag hier zu genießen. Unbedingt erforderlich sind Bewegungsflächen, die das Drehen und Wenden im Rollstuhl oder mit Gehhilfen ermöglichen. Schränke und Regale sollten so gestaltet sein, dass Sie jederzeit an die Gegenstände herankommen. Ebenso sollten Telefon, Lichtschalter und Heizung jederzeit auch vom Rollstuhl aus erreicht werden können. Stühle, Sofa und Bett müssen die richtige Höhe haben, um sie bequem nutzen zu können. Das Bett kann zudem mit Erweiterungen, wie Aufrichthilfen oder mit besonderen Matratzen versehen werden.

Nötige Veränderungen in der Küche

Viele Küchen sind per se so ausgestattet, dass Geschirr und Küchenutensilien nur im Stehen zu erreichen sind. In einer barrierefreien Küche jedoch sollte nicht nur genügend Platz zum Drehen und Wenden herrschen, es muss auch alles erreichbar sein. Arbeitsplatte, Herd und Spüle sollten unterfahrbar sein und die richtige Höhe haben. Griffe sind möglichst ergonomisch gestaltet und sämtliche Schalter und Steckdosen zugänglich. Besonders sind Schränke, die Komplettauszüge haben und an die man auch von der Seite aus herankommt.

Wer sein Zuhause beizeiten barrierefrei gestaltet und an die eigenen Bedürfnisse anpasst, kann hier noch lange selbstständig wohnen und muss sich nicht so schnell von seiner gewohnten Umgebung verabschieden.