Geistig fit bleiben bis ins hohe Alter – so halten Sie Ihren Geist in Form

Ja, auch vor unserem Geist macht der Alterungsprozess nicht halt, und wir müssen uns damit abfinden, dass das Leistungsvermögen unseres Gehirns sich verändert. Aber: durch Training und einen entsprechenden Lebensstil können wir unser Gehirn und dessen Leistungsfähigkeit positiv beeinflussen. Nachdem wir Ihnen erklären, was sich wie im Laufe der Zeit ändert, lesen Sie im Anschluss unsere besten Tipps, wie Sie Ihren Geist in Form halten können.

Kann man in hohem Alter überhaupt noch dazulernen?

Verabschieden Sie sich von dem alten Sprichwort „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“. Das Gehirn unterliegt zwar – wie jedes andere Organ auch – dem natürlichen Alterungsprozess und dementsprechenden Strukturveränderungen, aber das bedeutet nicht, dass Senioren nicht mehr in der Lage sind, sich neues Wissen anzueignen. Und die Tatsache, dass sie auf ihren reichen Schatz an Erfahrungen zurückgreifen können, verschafft ihnen mitunter sogar einen kleinen Vorsprung gegenüber Jüngeren, denen (noch) kein ausgereifter Wissensfundus zu Verfügung steht. Bisweilen brauchen Ältere vielleicht etwas länger, um sich neues Wissen anzueignen oder Aufgaben zu lösen, aber das kann unter „unbedeutende Nebensache“ verbucht werden. Denn schließlich besteht das vornehmliche Ziel nicht darin, eine Geschwindigkeitsmedaille zu gewinnen: Am Ende des Tages zählt das Ergebnis, nicht das Tempo

Wie wirkt sich der natürliche Alterungsprozess auf das Gehirn aus?

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Im Zuge des Alterungsprozesses nimmt die Zahl der „grauen Zellen“ in der Großhirnrinde (in der z. B. Funktionen wie logisches Denken, Lernen, Sprechen, die Verarbeitung von Sinneseindrücken und die räumliche Orientierung gesteuert werden) ebenso wie die Kommunikationsfähigkeit der Nervenzellen untereinander ab.

Nervenzellen kommunizieren mit Hilfe elektrischer Signale miteinander. Diese Signale werden über lange Nervenfasern weitergeleitet, die die einzelnen Zellen netzartig miteinander verknüpfen. Damit die Kommunikation der Zellen untereinander reibungslos ablaufen kann, sind die Nervenfasern mit einer Art Isolierschicht (vergleichsweise wie bei einem Stromkabel) umhüllt. Im fortgeschrittenen Alter verringert sich diese schützende Isolierung um die Nervenfasern jedoch, wodurch die Geschwindigkeit sinkt, mit der die Informationen zwischen den Nervenzellen weitergeleitet werden.

Zudem nimmt die Konzentration der Botenstoffe im Gehirn ab, welche letztendlich dafür verantwortlich sind, dass die isolierenden Hüllen der einzelnen Nervenzellen überwunden und die Informationen weitergegeben werden können.

Allerdings verfügt das menschliche Gehirn über gewisse Strategien, mit denen es die altersbedingten Veränderungen kompensieren kann. Abgesehen davon, dass das Gehirn auch in hohem Alter noch in der Lage ist, neue Nervenzellen zu bilden, kann es darüber hinaus auch – und diese Fähigkeit ist von größerer Wichtigkeit als die Neubildung von Nervenzellen – den Verlust von Gehirnzellen auffangen und das Netzwerk wieder stabilisieren, indem es neue Verknüpfungen zu bestehenden Zellen herstellt.

Damit sich diese neuen Verbindungen bilden können, muss das Gehirn angeregt und gefordert werden. Neben dem geistigen Aktivsein sollte außerdem die Fürsorge in Form eines gesunden Lebenswandels nicht zu kurz kommen.

Geistig aktiv seinlaechelnde-seniorin-sitzt-am-tisch-mit-brille

Das Training der geistigen Leistungsfähigkeit sollte abwechslungsreich und vielseitig sein, damit mehrere verschiedene kognitive Bereiche angesprochen werden. Der große Klassiker unter dem Gehirntrainings ist natürlich das Rätseln. Das Lösen eines Kreuzworträtsels z. B. ist allerdings eine relativ einseitige Trainingseinheit für das Gehirn, da es hier vornehmlich darum geht, bereits vorhandenes Wissen abzurufen und somit lediglich das Langzeitgedächtnis und die Konzentrationsfähigkeit gefordert sind, während beispielsweise Kreuzzahlenrätsel oder Sudokus – neben der Fähigkeit, sich zu konzentrieren – das logische Denken fördern. Also: Allein schon verschiedenartig gestalteter Rätselspaß fordert und trainiert das Gehirn auf unterschiedliche Weisen.

Überdies besteht ein hervorragendes Training für das Gehirn darin, sich neues Wissen anzueignen. So regt z. B. das Erlernen einer Fremdsprache das Gehirn dazu an, neue Verknüpfungen zwischen den Gehirnzellen zu bilden. Besonders interessant wird es natürlich, wenn man sein nächstes Reiseziel so wählt, dass die neu erlernten Sprachfähigkeiten direkt angewendet werden können. Apropos Reiseziel: Auch das Reisen bietet dem Gehirn durch das Verarbeiten neuer Eindrücke ein tolles Training. Und wer sich den Weg durch unbekannte Städte mit Hilfe eines guten alten Stadtplans statt mit dem Navi erschließt, schult auch noch seinen Orientierungssinn.

Gesunde, ausgewogene Ernährung

Damit der Geist leistungsfähig bleibt, ist eine gesunde und ausgewogene Ernährung erforderlich. Besonders Nährstoffe wie Vitamin B1, B6, B12, Folsäure und Omega-3-Fettsäuren tragen zum Erhalt der geistigen Leistungsfähigkeit bei.

Während Lein-, Soja- und Rapsöl und Fisch wie z. B. Lachs, Sardelle, Hering und Makrele reich an Omega-3-Fettsäuren sind, gelten Hefen, Hülsen- und Weizenprodukte und grünes Blattgemüse wie Spinat und Grünkohl als Folsäure-Lieferanten. Grünkohl enthält, ebenso wie Kartoffeln, zudem B1- und B6-Vitamine, die man auch über den Verzehr von Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Hefeprodukten, Obst wie Orangen und Gemüse wie Fenchel bzw. Fleisch, Fisch und Milch/Milchprodukten aufnehmen kann. Hering und Makrele liefern übrigens auch das wichtige Vitamin B12, das außerdem z. B. in Kalbs- und Schweineleber enthalten ist.

Körperliche Bewegungopa-enkelkinl-liegen-auf-rasen-mit-fussbell

Mit körperlicher Ertüchtigung halten Sie nicht nur Ihren Körper, sondern auch Ihren Geist fit. Ausdauersportarten wie Joggen, Schwimmen und Radfahren beispielsweise regen die Durchblutung des Gehirns an und verbessern somit dessen Sauerstoffversorgung. Falls sie der Muskelkraft in Ihren Beinen nicht mehr uneingeschränkt vertrauen, können Sie z. B. einfach ein E-Bike zu Ihrem Ausflugspartner machen. Das bringt Sie bei Bedarf auch ohne eine Kraftanstrengung Ihrerseits ans Ziel, und Ihr geistiges Wohlbefinden wird nichtsdestotrotz von dem Ausflug an der frischen Luft und den Sinneseindrücken profitieren.

Darüber hinaus gibt es ein breites Angebot an Fitnessgeräten und Heimtrainern, zwischen denen Sie, Ihren Vorlieben und körperlichen Fähigkeiten entsprechend, eine Wahl treffen können, und die Ihnen eine angemessene körperliche Bewegung in den eigenen vier Wänden erlauben.

Soziale Kontakte

Nein, das regelmäßige Verfolgen der Lieblingsserie und das Mitfiebern mit der Lieblingsfigur, die man in und auswendig kennt und die – jedenfalls gefühlt – schon fast zur Familie gehört, kann nicht als sozialer Kontakt gezählt werden. Hier sind reale soziale Kontakt gemeint, denn der Umgang mit anderen Menschen und die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben halten den Geist fit und flexibel. Ein Plausch mit Freunden, Bekannten und Verwandten, gemeinsame Aktivitäten wie Karten, Schach etc. spielen und Unternehmungen wie beispielsweise Museums-, Theater-, Oper-, Kino- oder Ausstellungs-Besuche und der Austausch über das Erlebte geben neue Impulse und stimulieren den Geist.

Spaß und Entspannung

Wichtig bei allem, was Sie tun, ist und bleibt, dass die Tätigkeiten, Aufgaben und Herausforderungen – und zwar sowohl beim Gehirn- als auch beim Körpertraining – keine Überforderung darstellen. Angemessene Aufgaben, die einem Freude bereiten, sind immer noch die beste Voraussetzung, dass man am Ball bleibt. Außerdem braucht das Gehirn Pausen und Entspannungsphasen, in denen es die neuen Eindrücke verarbeiten und neues Wissen sortieren und abspeichern kann. Und in denen es natürlich auch neue Kraft schöpfen kann, um die nächsten Herausforderungen zu meistern.