Im Alter ganz alleine? So schützen sich Senioren vor Einsamkeit

Einsamkeit im Alter ist leider kein seltenes Problem. Den Anfang macht oft der Verlust eines geliebten Menschen oder wichtiger sozialer Kontakte. Erschüttert und verunsichert, ziehen viele ältere Menschen sich in solchen Phasen zurück und verlieren – oft schleichend – auf diese Weise noch mehr Kontakte. Zum Glück muss es nicht soweit kommen und auch nicht dabei bleiben! Wer sich einsam fühlt, kann jede Menge dagegen unternehmen – und zwar in jedem Alter!

Die Themen im Überblick:

Warum die Menschen – ob jung oder alt – nicht fürs Alleinsein gemacht ist
Gründe für Einsamkeit im Alter
Wohngemeinschaften, Senioren-Sport, ehrenamtliche Arbeit – Soziale Kontakte sind auch im Alter leicht geknüpft

Warum die Menschen – ob jung oder alt – nicht fürs Alleinsein gemacht ist

Der Mensch ist ein soziales Wesen. Daran mag man ab und an berechtigte Zweifel haben, aber wenn man genauer hinsieht, steht fest: niemand ist gern dauerhaft allein. Egal wo, egal in welchen Situationen, Menschen tun sich zusammen. Sprichworte wie „Geteiltes Leid ist halbes Leid“ und „Geteilte Freude ist doppelte Freude“ sind schlicht und ergreifend wahr. Woran liegt das? Ganz einfach, wir brauchen Anerkennung, einen guten Rat, eine kleine Aufmunterung, Lob und sogar Kritik. Ganz ohne die Rückmeldung eines anderen Menschen fühlen wir uns schnell verloren, empfinden das eigene Tun als sinnlos, Entscheidungen oder Taten als mehr oder weniger irrelevant.

Damit ist nicht gemeint, dass der Mensch nicht ab und an oder auch sehr regelmäßig alleine sein kann und sollte. Im Gegenteil: Zeit für sich ist wichtig, stärkt das Selbstvertrauen, gibt Zeit, sich selbst besser zu verstehen und akzeptieren und führt dazu, dass gemeinsame Zeit mit anderen Menschen im Anschluss besser wertgeschätzt wird. Allerdings macht die Dosis das Gift. Wer immerzu alleine ist, und das nicht aus freien Stücken, sondern wider Willen, der fühlt sich zwangsläufig über kurz oder lang einsam, isoliert und unglücklich – starkes Selbstbewusstsein hin oder her. Da geht es jungen Menschen ganz genauso wie alten, weshalb ein Gefühl von Einsamkeit auch keinesfalls etwas ist, das man abstreiten oder ignorieren sollte.

Gründe für Einsamkeit im Alter

Unsere Gesellschaft altert, es gibt immer mehr Senioren und dennoch fühlen sich gerade ältere Menschen oft allein und isoliert? Wie kommt das? Im Grunde liegt die Antwort auf der Hand: Je älter wir werden, desto schwerer fällt es uns, Veränderungen anzugehen, von gewohnten Mustern abzuweichen und Neuem offen gegenüberzustehen. Fallen also gewohnte Kontakte oder Aufgaben weg – der Klassiker ist hier natürlich der Beginn des Rentenalters – tun ältere Menschen sich oft schwer, diese Lücke zu schließen. Noch dramatischer wirkt sich häufig der mit zunehmendem Alter leider auch immer wahrscheinlicher werdende Tod des Partners oder anderer wichtiger Bezugspersonen aus. Aus einer zunächst normalen Phase der Orientierung oder eben Trauer wird leider allzu oft der normale Alltag. Schleichend wird es irgendwie einfach „normal“ keine festen Termine oder Verabredungen mehr zu haben, und das vermeintliche Arrangieren mit der neuen Situation führt in Wirklichkeit zu einem einsamen Alltag, indem der Kontakt zu anderen Menschen mehr und mehr zur Besonderheit wird.

Die rasanten Entwicklungen in den verschiedensten Bereichen des Lebens tun ihr übriges, um gerade ältere Menschen davon abzuhalten, den Sprung ins kalte Wasser zu wagen und ‚einfach mal etwas Neues zu probieren‘. Denn „fahr doch mal mit dem Zug zu deinen Kindern“ ist leicht gesagt. Wer aber die 70 hinter sich gelassen hat und noch nie in seinem Leben in einem Zug gesessen, geschweige denn an einem Automaten ein Ticket gezogen hat, wird die Sache zurecht anders bewerten. Um einen einfachen Kaffee zu bestellen, scheint man plötzlich einen Geheimcode kennen zu müssen und zum Schließen der Garderobe im Schwimmbad bekommt man neuerdings keinen Schlüssel mehr, sondern eine Karte, mit der man…was genau macht? Vermeintlich banale Veränderungen können für ältere Menschen einschüchternd wirken und unter Umständen dazu führen, dass man es lieber ganz sein lässt, statt vermeintlich ‚dumme Fragen‘ zu stellen.

In diesem Zusammenhang sind zwei Erkenntnisse wichtig: 1. Gefühle der Unsicherheit sind ganz normal, man kann Sie ruhig zugeben, denn 2. Unsere Umwelt und Mitmenschen empfinden eine freundliche Frage oder eine nette Kontaktaufnahme nicht als störend oder aufdringlich.

Wohngemeinschaften, Senioren-Sport, ehrenamtliche Arbeit – Soziale Kontakte sind auch im Alter leicht geknüpft

Das Gemeine: Ein Gefühl von Einsamkeit stellt sich sehr schnell ein, während es oft viel Elan und Kraft bedarf, um etwas dagegen zu tun. Denn wer sich einmal ‚eingeigelt‘ hat, der schnipst nicht einfach mit den Fingern und ist plötzlich wieder perfekt sozial integriert. Dennoch: Neue Kontakte zu knüpfen und den Alltag etwas neu zu organisieren, ist kein Hexenwerk. Wir zeigen Ihnen ein paar Möglichkeiten auf, wie sich Einsamkeit bei älteren Menschen leicht verhindern oder beenden lässt.

Tipp 1: Zwei Fliegen mit einer Klappe – Seniorensport

Sicher einer der Klassiker: Bleiben Sie zusammen mit anderen Senioren in Form! Damit tun Sie sich und Ihrer Gesundheit einen großen Gefallen und das Knüpfen neuer Kontakte findet ganz nebenbei statt! Denn bei einem Walking-Treff, der Senioren-Gymnastik oder der Aqua-Fitness ü 65 können Sie sich sicher sein: Hier geht es nicht um sportliche Höchstleistungen, sondern darum, gemeinsam etwas für sich zu tun, ein kleines Pläuschchen zu halten und in der Gruppe etwas Spaß zu haben.
Sie wissen nicht, wo Sie einen Senioren-Sporttreff finden sollen? Fragen Sie mal bei Ihrer ortsansässigen Volkshochschule, im Schwimmbad oder einem Sportverein an. Auch Google wird zum Thema sicher etwas zu sagen haben. Sie sind hochmotiviert, finden aber einfach nicht den richtigen Kurs oder Treff? Jetzt nicht aufgeben! Schalten Sie doch mal eine Kleinanzeige und gründen Sie einfach Ihren eigenen kleinen Club!?

Tipp 2: Ein Ehrenamt – gut fürs Gefühl und die soziale Einbindung

Sie sind noch rüstig und haben Zeit und Energie anderen zu helfen? Wie wunderbar! Ehrenamtliche Helfer werden immer und überall gesucht. Hilfe für geflüchtete Menschen, verschiedene Aufgaben im Tierheim oder Kekse backen in der Kita – so viele Einrichtungen, Vereine und Institutionen freuen sich unglaublich über jede Hilfe. Überlegen Sie einfach einmal, was Sie gut können und worauf Sie Lust hätten, vielleicht braucht es nicht mehr als einen Anruf und Sie werden mit offenen Armen empfangen. Fällt Ihnen nichts ein, fragen Sie einfach einmal bei der Stadt, dem DRK oder Vereinen nach. Im Internet finden Sie auch Freiwilligenbörsen, in denen gezielt nach Helfern gesucht wird.

Tipp 3: Zurück in die WG – Wohngemeinschaften haben viele Gesichter

Ihr Haus scheint von Tag zu Tag zu wachsen und Sie haben es zudem schlicht und ergreifend statt ganz allein zu wohnen, zu essen und zu putzen? Seien Sie gewiss, mit diesem Gefühl stehen Sie nicht alleine da. Viele ältere Menschen empfinden das ehemals geliebte Heim, in dem die Kinder aufwuchsen und so viel erlebt wurde, trotz aller schöner Erinnerungen, mehr und mehr als Belastung. Der Schritt, das Haus zu verkaufen und in eine kleinere Wohnung umzuziehen ist allerdings riesengroß und verunsichert oft so sehr, dass man doch lieber alles so lässt, wie es ist.
Stört Sie Ihre Wohnsituation allerdings wirklich stark, sollten Sie einmal in sich gehen und genau überlegen, ob es nicht doch lohnt, das Thema noch einmal neu durchzudenken. Was genau stört Sie? Ist Ihr Haus zu groß? Zu leer? Zu weit von Ihren Kindern, Freunden oder Lieblingscafés entfernt? Je nachdem, welche Antworten Sie für sich finden, gibt es verschiedene Wege, auf das Problem zu reagieren.

Lieben Sie Ihr Haus, das Alleineleben hingegen gar nicht? Wie wäre es mit einem Untermieter? Je nachdem, wo Ihr Haus steht, bieten sich hier ggf. sogar reichlich Möglichkeiten. In Studentenstädten herrscht bekanntlich immer Wohnungsnot und so mancher Studi hilft Ihnen vermutlich liebend gern bei der einen oder anderen Aufgabe im Haushalt, wenn er dafür zum Freundschaftspreis eine gemütliche Bleibe findet. Dieser Ansatz scheint Ihnen doch etwas gewagt? Auch Berufspendler sind häufig auf der Suche nach einer Bleibe für einige Nächte in der Woche. Oder hätten Sie Lust auf eine inzwischen durchaus schon als „klassisch“ zu bezeichnende Senioren-WG? Werfen Sie mal einen Blick in die Kleinanzeigen, vielleicht finden Sie direkt ein, zwei Gleichgesinnte!?

Lassen Sie Ihren Gedanken einfach einmal freien Lauf und überlegen Sie in alle Richtungen. Vermutlich haben Sie ja keine Eile und können sich ganz in Ruhe überlegen, was Sie sich vorstellen können oder nicht. Wenn Ihre Vorstellungen etwas konkreter werden, bitte Sie Familie oder Freunde um Hilfe und pirschen Sie sich Schritt für Schritt heran – in aller Regel haben Sie ja keinen Zeitdruck und können so lange suchen, bis Sie die passende neue Bleibe und/oder den oder die passenden Mitbewohner gefunden haben!